BOB HGe 3/3 21-28

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BOB HGe 3/3 bei der BC in Blonay in der Westschweiz im September 2014

Die anlässlich der Elektrifikation im Jahre 1914 und 1915 beschafften elektrischen Lokomotiven für den gemischten Zahnrad- und Adhäsionsbetrieb der Baureihe HGe 3/3 21 bis 28 und die 1926 nachgelieferte HGe 3/3 29 prägten Jahrelang das Erscheinungsbild der Berner Oberland-Bahn (BOB) auf dessen Meterspur-Bahnstrecken zwischen Interlaken und Grindelwald sowie Interlaken und Zweilütschinen.

Inhaltsverzeichnis

Vorbild

Geschichte

Trotz den damals finanziell nicht gerade besten Verhältnissen, prüften die Berner Oberland-Bahnen sowohl für die beiden Meterspur-Bahnstrecke von Interlaken über Wilderswil, Zweilütschinen nach Grindelwald wie auch von Interlaken über Wilderswil, Zweilütschinen nach Lauterbrunnen sowie die mit einer Spurweite von 800 mm gebaute Bergbahnstrecke von Wilderswil auf die Schynige Platte, auch als Schynige Platte-Bahn (SPB) bekannt, verschiedentlich die Möglichkeit zur Elektrifikation.

Verschiedene Angebote sind auch heute noch in den Archiven vorhanden.

Überliefert ist unter anderem ein detailliertes Angebot der Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) mit einer Seitenfahrleitung nach Emil Huber-Stockar, wie diese damals auf einem Abschnitt der Bahnstrecke Seebach-Wettingen probehalber im Einsatz war und dann bei der Locarno-Ponte Brolla-Bignasco-Bahn (LPB), auch als Maggiatalbahn bezeichnet, zwischen Ponte Brolla und Bignasco angewendet wurde.

Dieses Angebot beinhalte Triebwagen in ähnlicher Bauart wie die 1906 und 1908 an die Martigny-Châtelard-Bahn (MC) gelieferten Personen- Gepäcktriebwagen BCFe 4/4 11 bis 15 die mit einer elektrischen Ausrüstung der Maschinenfabrik Oerlikon versehen wurden. Diese Triebwagen haben Drehgestelle mit getrenntem Adhäsions- und Zahnradantrieb. Während der eine Elektromotor im Drehgestell die eine Achse antreibt, trieb diese Achse die andere über Kuppelstangen an. Der andere Elektromotor treibt das sich auf der über die Kuppelstange angetriebene Achse befindende Zahnrad an.

Gewählt wurde letztendlich in Koordination mit der gleichzeitigen Elektrifikation der ebenfalls mit einer Spurweite von 800 mm versehenen Bergbahnstrecken der Wengernalpbahn (WAB) eine Lösung mit 1‘500 Volt Gleichstrom, klassischer Fahrleitungsbauart und mit Lokomotiven einer gedrungener Bauart, die sich an den damals durch die Rhätische Bahn (RhB) beschafften Ge 2/4 und den verschiedenen etwas grösseren Ge 4/6 orientierten.

Mit den HGe 3/3 Lokomotiven wurde das bewährte Konzept der zehn vorhandenen HG 3/3 Dampflokomotiven mit getrenntem Adhäsions- und Zahnradantrieb übernommen. Ein starker Elektromotor treibt die drei mit Stangen gekuppelten Triebachsen an. Ein zweiter baugleicher Elektromotor treibt das Triebzahnrad an. Das zweite Zahnrad war nicht angetrieben und diente als Bremszahnrad. Während im Adhäsionsbetrieb ein Elektromotor verwendet wird, stehen im Zahnradbetrieb beide Motoren in Serie geschaltet im Einsatz. Auch war eine Widerstandsbreme eingebaut.

Typisches Merkmal der meterspurigen HGe 3/3 21 bis 28 und HGe 3/3 29 wie auch der in der gleichen Zeit für die Schynige Platte-Bahn beschafften reinen Zahnradbahn-Lokomotiven He 2/2 1 bis 4 (SLM Fabrikationsnummern 2346 bis 2349) war ein wuchtiger Pantograph mit zwei weite voneinander angebrachten Schleifstücken.

Die Wengernalbahn (WAB) wählte bei baugleicher Fahrleitung noch eine eigene eigenwillige Pantographen Konstruktion, ebenfalls mit weit voneinander angebrachten Schleifstücken, für ihre einige Jahre vorher beschafften weitgehend mit den Lokomotiven der Schynige Platte-Bahn baugleichen Lokomotiven He 2/2 51 bis 63 (SLM Fabrikationsnummern 1948, 1953, 1954, 1955, 2086, 2087, 2088, 2089, 2169, 2170, 2236, 2237 und 2238).

Diese wuchtigen Pantographen der Lokomotiven der Berner-Oberland-Bahn wie die eigenwillige Konstruktion der Lokomotiven der Wengernalpbahn bewährten sich bestens und wurden erst im Verlaufe der Zeit gegen neuere Konstruktionen ausgetauscht. Zum Teil gar gegen Einholm-Pantographen.

Obschon für die Lokomotiven 21 bis 28 (SLM Fabrikationsnummern 2365 bis 2372) das Baujahr 1914 anerkannt ist, wurde die erste Lokomotive bereits im Jahre 1913 in Betrieb gesetzt. Die letzte, die 26 hingegen verweilte vorerst als Ausstellungsobjekt an der Schweizerischen Landesausstellung in Bern und wurde erst im Jahre 1915 in Betrieb gesetzt.

Nachdem an den Lokomotiven 21 bis 28 verschiedene kleinere Verbesserungen vorgenommen wurden, wurde 1926 eine weitere Lokomotive, die 29 (SLM Fabrikationsnummern 3127), in einer in weiteren Details verbesserten Ausführung nachbeschafft. Äusserlich ist die nachbeschaffte Lokomotive daran zu erkennen, dass das mittlere Frontfenster sich nicht auf der gleichen Höhe wie die beiden seitlich davon angebrachten Frontfenster befindet, sondern sichtbar erhöht.

Mit der Ablieferung der elektrischen Personen- und Gepäck-Triebwagen BCFe 4/4 301 bis 303 im Jahre 1949 wurden die Lokomotiven ins zweite Glied verdrängt. Mit der kontinuierlichen Ablieferung weitere Triebwagen sowie der Bildung von Pendelzügen wurden die Lokomotiven auch wegen der geringen Höchstgeschwindigkeit wegen immer weniger eingesetzt und Stück für Stück ausgemustert und dann abgebrochen. Letztmalig waren die beiden noch vorhandenen Lokomotiven HGe 3/3 24 und HGe 3/3 29 im Jahre 2013 Fahrplanmässig vor Sonder- und Dienstzügen im Einsatz.

Technische Daten

BOB HGe 3/3 21-28

Hersteller: SLM, BBC, MFO
Baujahr(e): 1914
Spurweite: 1000
Zahnstangensystem: Riggenbach
Fahrleitungsspannung: 1500 V=
Achsformel: Cz
Raddurchmesser: 910 mm
Länge über Puffer: 8240 mm
Achsstand: 3500 mm
Dienstmasse: 35,6 t
Höchstgeschwindigkeit Adhäsion: 40 km/h
Höchstgeschwindigkeit Zahnrad: 15 km/h
Stundenleistung: 400 PS
Anhängelast:
  • 125 t auf 25 ‰
  • 85 t auf 90 ‰ nach Lauterbrunnen
  • 60 t auf 120 ‰ nach Grindelwald

BOB HGe 3/3 29

Hersteller: SLM, MFO
Baujahr(e): 1926
Spurweite: 1000
Zahnstangensystem: Riggenbach
Fahrleitungsspannung: 1500 V=
Achsformel: Cz
Raddurchmesser: 910 mm
Länge über Puffer: 8240 mm
Achsstand: 3500 mm
Dienstmasse: 36,5 t
Höchstgeschwindigkeit Adhäsion: 40 km/h
Höchstgeschwindigkeit Zahnrad: 15 km/h
Stundenleistung: 420 PS
Anhängelast:
  • 125 t auf 25 ‰
  • 85 t auf 90 ‰ nach Lauterbrunnen
  • 60 t auf 120 ‰ nach Grindelwald

Farbvarianten

Das war so eine Sache mit dem Anstrich der Lokomotiven der Berner Oberland-Bahnen wie auch bei der Wengernalpbahn. Sicher ist, dass alle diese Lokomotiven in grüner Farbe abgeliefert wurden, ausgenommen waren die nachgelieferten HGe 3/3 29. Diese war eisengrau und hatte schwarze gestrichene Abdeckleisten.

Durch die damalige Behandlung der Farbe, marketingmässige Neuanstriche waren damals unüblich, wandelte sich die grüne Farbe langsam in eine etwas verwaschene mattschwarze Farbe. Dies war in ausgeprägter Form bei den HGe 3/3 Lokomotiven der Berner-Oberland-Bahn wie auch bei den He 2/2 Lokomotiven der Wengernalpbahn sichtbar.

Die meisten, nicht alle, HGe 3/3 Lokomotiven der Berner-Oberland-Bahnen wurden dann ab den 1950er Jahren erst in einem hellen braun, dann später bei einem erneut notwendigen Neuanstrich in einem dunkleren braun neu gestrichen. Der dunklere schokoladefarbige braune Anstrich entspricht im Wesentlichen dem braun wie in die Personenwagen nach der Änderung des Anstriches von grün auf braun erhielten und heute auch die sich bei der Museumsbahn Blonay-Chamby (BC) im Einsatz befindende Lokomotive HGe 3/3 29 hat.

Verblieb

Von den He 3/3 Lokomotiven sind zwei Stück weitgehend im Originalzustand vorhanden geblieben. Während sich die He 3/3 24 mit Stand 2014 als Ausstellungsstück betreut durch den „Modelleisenbahnfreunde Eiger Zweilütschinen“ (siehe MEFEZ homepage) in Zweilütschinen befindet, befindet sich die He 3/3 29 seit 2013 im Eigentum der Museumsbahn Blonay-Chamby und bildet dort seit dem Jahre 2014 nach den vorgenommenen Anpassungen, zusammen mit dem Personenwagen C3 6 Kaiserwagen und dem Sommerwagen C4 41 den Jungfrau Nostalgie Express.

Weblinks

Literatur

  • Hans Häsler: Die Berner-Oberland-Bahnen, hundert Jahre Bahn nach Lauterbrunnen und Grindelwald, Minirex, Luzern 1990, ISBN 3-907 014-04-9
  • Wolfgang Finke: Die Fahrzeuge der Jungfraubahnen 1, Berner Oberland-Bahn (BOB), Jungfraubahn (JB), Mürrenbahn (BLM). Ein Buch auf DVD, Verlag tram-tv, Köln 2010, ISBN 978-3-9813669-2-1
  • Wolfgang Finke: Die Fahrzeuge der Jungfraubahnen 2, Wengernalpbahn (WAB), Schynige Platte-Bahn (BLM), Harderbahn, Allmendhubelbahn, Heimwehfluhbahn. Ein Buch auf DVD, Verlag tram-tv, Köln 2010, ISBN 978-3-9813669-3-9

Film

Modelle

  • Für die anspruchsvollen Modellbauer hat Walter Studer (Studer Modellbaupläne) den detaillierten Modellbauplan HGe 3/3 21-29 elektr. Lok 45-1321c im Massstab 1:45 erstellt.
  • Für die Modellbauer gibt es detaillierte Zeichnungen im Buch von Wolfgang Finke: Die Fahrzeuge der Jungfraubahnen 1 im Massstab 1:87.

Spur H0m

Betriebsnr. Farbe Hersteller Artikel-Nr. Bauzeit Strom/Dec. Bemerkungen Bild
HGe 3/3 22 braun H-R-F 1826-1 (1. und 2. Serie) DC BOB, ~1980
HGe 3/3 24 braun H-R-F 1826-2 (1. und 2. Serie) DC BOB, ~1980
HGe 3/3 22 grün H-R-F 1826-3 (1. und 2. Serie) DC BOB, ~1930
HGe 3/3 24 grün H-R-F 1826-4 (1. und 2. Serie) DC BOB, ~1930
HGe 3/3 22 braun H-R-F 1826-5 (3. Serie) um 2019 DC BOB, ~1950
HGe 3/3 24 braun H-R-F 1826-6 (3. Serie) um 2019 DC BOB, ~1950
HGe 3/3 22 braun H-R-F 1826-5 (3. Serie) um 2019 DC BOB, ~1965
HGe 3/3 24 braun H-R-F 1826-6 (3. Serie) um 2019 DC BOB, ~1965

Alle angegebenen H-R-F HGe 3/3 kosteten 2019 neu pro Stück 1390 Schweizer Franken.