Gips (Tipp)

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Gips ist ein universeller Werkstoff für den Modellbau, speziell den Landschaftsbau. Hier nun einige Tipps und Tricks im Umgang mit Gips.

Inhaltsverzeichnis

Anrühren

Grundsätzlich gilt: Gips wird in Wasser eingerührt und nicht umgekehrt. Im Normalfall nimmt man sich hierfür einen handelsüblichen Gipsbecher aus einem weichen Kunststoffmaterial (z.B. Gummi) und befüllt ihn je nach benötigter Menge Gips ca. 1 bis 2 Finger breit mit Wasser. Danach füllt man den Becher mittels Spachtel mit Gips auf. Dabei sollte nicht direkt umgerührt werden, man gibt dem Gipspulver erstmal "Zeit zum Saufen". Nach ca. einer halben Minute verrührt man dann Wasser und Gips zu einer blasenfreien Masse mit zähflüssiger Konsistenz und verarbeitet diese unmittelbar. Ein nachträgliches "Verdünnen" mit Wasser ist nicht möglich, hierbei härtet der Gips zu schnell und meist klumpig aus. Für größere Mengen gelten die o.g. Mengenangaben proportional. Herstellerangaben beachten, steht auf der Tüte!

Abbindezeit variieren

Den Umstand, dass unterschiedliche Gipssorten auch unterschiedliche Abbindezeiten haben, kann sich der Modellbauer zunutze machen, indem er z.B. den schnell abbindenden Modellgips mit Anteilen von Putzgips "streckt". Im umgekehrten Fall kann man die Abbindezeit durch Verwendung von warmem Wasser verkürzen.


Die Abbindezeit ist im allgemeinen auf der Verpackung, dem Sack vermerkt. Man sollte nur Gips verwenden, der eine Verarbeitungszeit von mindestens 30 Minuten ermöglicht - sonst kommt nur Hektik auf!


Die einfachste Art, die Abbindezeit von Gips zu verlängern, ist Säure zuzusetzen. Zitronensaft aus der Plastikzitrone ist dafür wegen der guten Dosierbarkeit bestens geeignet. Außerdem riecht es dann beim Modellieren angenehm nach Zitrone. Für eine etwas verlängerte Abbindezeit reichen schon wenige Tropfen auf einen Gummibecher. Da kaum ein Gips dem anderen gleicht, ist es ratsam, vorher ein wenig auszuprobieren.

Entsprechend ist es mit einer basischen Beimengung möglich, die Abbindezeit zu verkürzen, z.B. mit Schmierseife.


Eine weitere Methode, die Abbindezeit von Gips (extrem) zu verlängern, besteht im Einrühren von etwas flüssigem Knochenleim in das Anmachwasser. Nimmt man einen handelsüblichen Gipsbecher und möchte die Abbindezeit auf ca. 1 Stunde verlängern, so reicht bei Modellgips bereits die Zugabe von einer Messerspitze Knochenleim. Dadurch verlängert sich der flüssige Zustand, aber anschließend - was für das Modellieren interessant ist, auch der „Sahnesteif-Zustand“ der Gipsmasse (= der Abbindezustand kurz vor dem Erhärten, in dem sich der Gips fast wie Ton frei modellieren lässt.) auf - geschätzt - 10 bis 15 Minuten. Dafür muss man aber eben eine Dreiviertel Stunde Wartezeit in Kauf nehmen. Leim erhöht die Härte des Gipses. Je nach Leimzugabe lässt sich die Abbindezeit auf bis zu sechs oder acht Stunden verlängern. Man sollte in jedem Fall, bevor man an sein Werkstück geht, sich mit dem Material vertraut machen und verschiedene Mischungsverhältnisse austesten. Denn wenn man mehrere Gipslagen anlegen oder mit der Arbeit fertig werden möchte, ist nichts unangenehmer als eine Gipsmasse, die nicht aushärten will. Knochenleim ist Gelatine. Man kann sich also im Backzubehör bedienen. Diese riecht zwar sehr appetitlich, ist jedoch bei größeren Mengen aufgrund der großen Reinheit extrem teuer. Besser ist es, Knochenleim im Künstlerbedarf zu kaufen. Da Knochenleim jedoch als trockenes Granulat geliefert wird, dann eingeweicht und schließlich im warmen Wasserbad geschmolzen werden muss, gibt es eine sehr praktische Alternative: Fischleim. Der ist in bereits flüssiger Form erhältlich, wobei mir als Lieferant nur die Firma Kremer Pigmente in Aichstetten bekannt ist.


Es ist oft notwendig, die Abbindezeit des Gipses zu verlängern, man sollte dabei jedoch beachten, dass die Qualität leiden kann. Wird Gips noch im oben erwähnten "Sahnesteif-Zustand" modelliert, verliert er an Festigkeit, wird bröselig.

Gips färben

Üblicherweise wird Gips im Modellanlagenbau nach dem Aushärten mit Farbe grundiert. Man kann aber durchaus auch dem Gips beim Anrühren Farbe beimischen und ihn somit komplett durchfärben. Hierbei verwendet man handelsübliche Abtönfarben, wobei man zum vollständigen Durchfärben allerdings sehr viel Farbe benötigt.

Bahnsteigkante aus Gips gegossen
Ein vollständiges Durchfärben mit Abtönfarbe ist jedoch nur bedingt zu empfehlen, der Gips verliert dadurch deutlich an Stabilität. Weniger problematisch ist reines Pigment, das in Pulverform vor dem Anrühren mit dem Gips vermengt wird. Wer es ganz genau wissen will, sollte sich vorher über die Reaktivität der einzelnen Farbpigmente informieren, manche, vor allem die synthetischen (oft bei Blautönen!) reagieren eventuell mit dem Gips, was dessen Stabilität beeinträchtigen kann. Aus diesem Grund werden für eine Vielzahl von Anwendungsfällen Eisenoxid-Pigmente für das Einfärben von Gips, Kalk oder Beton verwendet. Hierbei ist die Dosierung des Pigments im Verhältnis zum Grundstoff bzw. Bindemittel von großer Bedeutung für die Stabilität - bei mehr als 5% wird das getrocknete Formstück leicht bröselig. Zudem leidet die Farbintensität und -brillanz oftmals bei zu hoher Dosierung. Gleiches gilt für einen zu geringen Anteil des Pigments.

Bevor man weißen Gips mit Abtönfarben streicht, muss man ihn satt mit "Tiefengrund" einstreichen und trocknen lassen. Sonst trocknet die Farbe sofort ein. Kleine Teile aus Gussformen kann man auch in Tiefengrund tauchen (in einem ausgedienten Schraubglas z. B.). Das geht schneller und sauberer als streichen und ist garantiert flächendeckend.

Gips gießen

Bahnsteigkanten aus Cotta-farbenem Gips
Zum Herstellen von Formteilen aus Gips sollte man darauf achten, dass sich keine Luftblasen bilden, die nachher an der Oberfläche des Gussteiles zu sehen sind. Hierzu verwendet man einen relativ dünnflüssigen Gipsbrei und klopft beim Gießvorgang gegen die Form bzw. rüttelt sie leicht. Man muss aber darauf achten, dass der Gips nicht zu dünn ist, da sonst die Gefahr der Rissbildung während des Abbindens besteht.

Silikonformen

Eine preiswerte Methode, sehr realistisch wirkende Bauteile aus Gips in größeren Stückzahlen herzustellen sind Silikon-Gussformen (z. B. von Werkstatt Spörle, PSG-Modellbahnzubehör, Modellbau Joachim). Nachteilig ist höchstens, dass die Form immer eine halbe Stunde lang „besetzt“ ist, bevor die nächste Beschickung erfolgen kann und dass immer nur sehr geringe Mengen Gießmasse benötigt werden. Folgendes Vorgehen schafft hier Abhilfe und dazu eine gleichbleibende Qualität der Gießmasse:
An Material benötigen wir neben der Silikonform

Messlöffel aus Plastik
  • zwei (!) Messlöffel zu 5 ml, z. B. für Medizin
  • eine schmale Spachtel oder ein Palette-Messer
  • Gipsbecher, ersatzweise niedrige Papp- oder Plastikbecher
  • einfachen Pinsel, vorzugsweise mit Plastikstiel
  • klares Wasser
  • Wasser mit einem Tropfen Spülmittel (als Netzmittel) - alternativ gibt es auch Netzmittel im Modellbahnbedarf

Die Form wird mit Netzmittel bepinselt, besonders in den Ecken. Mit dem ersten Löffel geben wir 5 ml klares Wasser in den Becher. Mit dem zweiten (=trockenen!) Löffel messen wir das Gipspulver ab.
(Bei einer Hersteller-Empfehlung von Wasser : Gips = 1:4 empfehle ich für das Gießen nur 1:3. Aber hier muss jeder selber seine „perfekte“ Mischung erproben)
Also 3 gestrichene Löffel Pulver ins Wasser geben. Die Form lassen wir vor dem Befüllen noch, mit der offenen Seite unten, auf ein Stück Zeitung fallen. So werden überschüssiges Wasser und damit auch Reste vom letzten Guss herausgeschlagen. Jetzt mit dem Pinselstiel den Gips kurz, aber gründlich durchrühren und sofort in die Form füllen. Mit der Spachtel den Rest aus dem Becher kratzen und in die Form geben. Nachstochern, glattziehen, Überstände abstreifen. Leichtes Klopfen kann Blasen lösen! Jetzt lassen wir die Angelegenheit 30 min ruhen und können dann ausformen.
Vor dem nächsten Gang sollten Pinsel, Becher und Spachtel möglichst frei von angetrockneten Gipsresten sein.
Die angegebenen Mengen reichen für zwei Stücke Bahnsteigkante (H0) von je ~15 x 1 cm. Für das Befüllen der ganzen Form (15 x 8,5 cm Außenmaß) ist etwa die doppelte Menge nötig.
Auch gebogene Formteile sind einfach herzustellen. Soll die Bahnsteigkante etwa in einem Gleisbogen liegen, so kann die Form zum Aushärten ebenfalls gebogen werden. Man nehme dazu ein Bündel Gleise im gewünschten Radius (mit Gummibändern zusammenhalten). Etwa 2 min nach Befüllen der Form, wenn der Gips nicht mehr fließt, legen wir die Form auf das Schienen-Bündel (je nach Bedarf auf die Innen- oder Außenkurve).

Enden für Bahnsteigkanten
Die Gussteile können nach dem Durchtrocknen farblich behandelt werden. Die gezeigten Stücke sind aus pigmentiertem Gips gegossen. Das Mauerwerk gewinnt erheblich, wenn man die Fugen mit einem Messerchen oder einer Nadel nachzieht: Die Fugen wirken dann weißlich. Mit einem harten Borstenpinsel wird der Kratzstaub abgefegt, bei längerem Bürsten mit Druck wirken die Miniatur-Ziegel fast wie glasierte Klinkersteine.

Luftblasen und kleine Risse lassen sich bei feuchtem (besser: nassem) Gips schließen, indem man mit einem kleinen Pinsel auf einer Palette (ich verwende dazu z.B. eine alte CD) etwas Gipspulver mit reichlich Wasser anrührt und auf die Löcher aufträgt. Dann wartet man ein oder zwei Minuten und wischt den Überstand vorsichtig mit einem weichen, feuchten Schwamm ab. Falls die entstandenen Füllung noch nicht ausreicht, kann der Vorgang wiederholt werden. Die Füllung unterscheidet sich allerdings farblich ganz leicht von der Umgebung. Bei großen Flächen fällt das nicht weiter auf, bei kleinen Strukturen sollte man jedoch mit Farbe nacharbeiten.

Gipsformen

Hat man eine Gussform aus Gips, muss man diese vorher mit einer Trennschicht versehen, damit der Gips, den man hineingießt sich nicht mit der Form verbindet. Dazu kann man Tonschlicker (Ton mit Wasser verrühren, bis ein fast flüssiger Brei entsteht), Spüli, Fette (z.B.Vaseline) oder in Wasser gelöste Pottasche verwenden (Gibt's in der Backabteilung oder in der Apotheke.)

Die drei erstgenannten Trennmittel bilden eine sichtbare Schicht, die keinen Gips durchlässt. der Nachteil ist, dass diese Materialien eben dick auftragen, d.H. man sieht sie als Abdruck eventuell auf dem fertigen Guss. Für feinere Arbeiten empfiehlt sich daher in Wasser gelöste Pottasche (ca 1 TL auf 0,1 l).

Gips auf Gips auftragen

Trägt man flüssigen Gips auf schon abgebundenen Gips auf, entzieht jener ihm sofort alle Flüssigkeit und er ist nicht mehr modellierbar. Um das zu verhindern reicht es aus, den Gipsuntergrund vorher ordentlich anzufeuchten, z.B. mit einer Sprühflasche. Alternativ kann man den getrockneten Gips auch mit Tiefgrund behandelt und nach dem Durchtrocknen neue Gipsschichten spachteln.

Manchmal ist es jedoch notwendig, den Untergrund trocken zu belassen, (um z.B. bei Restaurationsarbeiten Schäden zu vermeiden o.Ä.). Für einen solchen Fall kann man extra für trockene Untergründe entwickelte Spachtelmassen verwenden, am besten Moltofill. Moltofill hat noch eine weitere vorteilhafte Eigenschaft: Es ist nach dem Abbinden elastischer als Gips und bricht deshalb nicht so leicht.

Allerdings sollte man hier beachten, dass diese oft nicht so reinweiß sind wie Gips. Will man eine einheitliche Oberfläche erzielen, sollte man bei einem Material bleiben. Das gilt im übrigen auch für verschiedene Gipse. Manchmal gibt es da sogar bei der gleichen Marke deutliche Unterschiede. Wer sichergehen will, sollte darauf achten, dass der Gips für eine Arbeit aus dem selben Sack, zumindest aber von derselben Charge stammt. Der Sack vom letzten Jahr muss dann eben noch ein bisschen länger warten.

Signatur

Dieser Tipp stammt ursprünglich von Uli. Nachträgliche Änderungen und Ergänzungen sind in der Liste der Autoren (versionen) nachvollziebar. Eventuelle Erfahrungen im Nachbau und Fragen zum Tipp gibt es auf der zugehörigen Diskussionsseite.

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