Mikromodellbau (IG Mikromodell)

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Titel eines von Mitgliedern der IG Mikromodell geschriebenen Buches

Die IG-Mikromodell ist eine Interessengemeinschaft von Modellbauern, die ungewöhnlich kleine ferngesteuerte Modelle bauen, solche Modelle nennt man Mikromodell.

Natürlich gibt es auch außerhalb der IG Mikromodellbau solche Modellbauer, aber die IG ist eine bekannte Anlaufstelle.

Inhaltsverzeichnis

Definition Mikromodell

Dieser Jahrmarktsluftballon wird mit Funkfernsteuerung geflogen

Eine genaue Definition für ein Mikromodell gibt es nicht, man setzte um 1985 herum für ein Schiffsmodell willkürlich eine Grenze von um die 500 Gramm. Die Zeiten haben sich geändert. Eine Gewicht von 500 Gramm war damals schon etwas für Spezialisten, heute (2005) können auch Anfänger derart leichte Modelle bauen. Im Jahr 2005 kann man eine komplette RC-Ausstattung für ein 30-Gramm Schiffsmodell mit ca. 10 bis 12 Gramm realisieren.

Nicht jedes kleine ferngesteuerte Modell ist ein Mikromodell. Ein paar Autoren der Modellbau-Wiki haben daher versucht, Kategorien zu bestimmen:

Ein Mikromodell ist klein, drahtlos ferngesteuert, und der Modellbauer hat die Fernsteuerung selbst eingebaut, der Modellbauer hat also im einfachsten Fall ein im Handel erhältliches Funktionsmodell mit einer Fernsteuerung augerüstet. Nach oben hin sind alle Schwierigkeitsgrade offen.

Ein Micro RC ist ein Modell, das als betriebsfertiges ferngesteuertes Modell im Handel erhältlich ist.

Ein Mod ist ein Fertigmodell, das in Teilen geändert wurde, um bessere Leistung, Haltbarkeit oder Aussehen als das Serienmodell zu erreichen.

Bleibt noch zu bestimmen, was klein ist. Für Autos gilt: es soll im Maßstab 1:87 oder kleiner gebaut sein. Für Schiffe wird willkürlich die Grenze bei 500 Gramm angesetzt, auch wenn ein 30g-Modell heutzutage mit Serienteilen gebaut werden kann. Bleiben die Flugzeuge: to do

Geschichte der IG-Mikromodell

Mitte der 1980er Jahre gab es eine Gruppe von Schiffsmodellbauern, die sich regelmäßig im Georgengarten in Hannover traf, um dort ihre funkferngesteuerten Modelle fahren zu lassen. Diese Modelle waren deutlich kleiner als die zu dieser Zeit üblichen, denn sie entstanden aus handelsüblichen Plastikbausätzen und wogen deutlich unter 1kg. Aus diesem Grund nannte sich diese Gruppe nach einiger Zeit IG-Mikromodell, und ihre Modelle bezeichneten sie als Mikromodell. Ende der 1980er Jahre kamen die ersten funkferngesteuerten 1:87 LKW dazu.

Im Januar 1999 wurde die Mailingliste der Mikromodellbauer gegründet, und um das Jahr 2000 herum wurde TableTopTruckTrial erfunden, das Fahren mit geländegängigen ferngesteuerten 1:87 LKW durch schweres Modellgelände. Das Internet bot deutlich bessere Kommunikationsmöglichkeiten, und besonders die 1:87 LKW fanden das starke Interesse anderer Modellbauer, so dass es in diesem Bereich eine starke Entwicklung gab.

Im Jahr 2006 dominieren die ferngesteuerten 1:87 LKWs die Szene, die Schiffsmodelle sind in den Hintergrund getreten. Die Spezialisten für kleinste Flugmodelle sind in der IG Mikromodell eine kleine Minderheit. Die IG ist damit vielleicht der bekannteste Anlaufpunkt für Mikromodellbauer, aber auf keinen Fall der einzige.

Kleine RC-Empfangsanlage aus Serienteilen

Beispiel für eine 12 Gramm RC-Empfangsanlage: Empfänger, Fahrtregler, Akku, Servo und Motor

Im Jahr 2006 ist das Angebot an geeigneten Serienteilen für ein Mikromodell geeignet, um eine RC-Anlage mit ca. 10 Gramm Einbaugewicht zu bauen. Es gibt drei spezialisierte Händler und ein paar Modellbauer, die neue Produkte entwickeln. So ist z.B. eine Infrarotfernsteuerung auf dem Markt erhältlich und sehr verbreitet, die von Mitgliedern der IG Mikromodell entwickelt wurde.

Folgende Bestandteile ergeben eine ca. 12 Gramm schwere RC-Empfangsanlage:

Weiteres Gewicht lässt sich einsparen durch Einsatz eines kleineren Akkus und Abschneiden der Steckverbinder am Empfänger. Das geringe Gewicht bedeutet natürlich auch geringe Größe. Das hat zur Folge, dass sich mit der genannten RC-Empfangsanlage nicht nur kleinste Schiffe, sondern auch kleinste Autos bauen lassen. Hier sei besonders die Baugröße 1:87 genannt. Nimmt man statt des Servos zwei weitere Motoren und Fahrtregler, dann hat man die RC-Ausstattung, mit der bereits ein funkferngesteuerter Jahrmarktsluftballon gebaut wurde (s. Bild).

Infrarotsteuerung

Die Platine am Heck des Radladers enthält die komplette IR-Steuerung, inklusive zwei Fahrtregler und Lichtelektronik

Zu einer weiteren Miniaturisierung führte die Entwicklung einer Infrarotfernsteuerung für Mikromodelle. Gegenüber einer RC-Ausstattung fallen Empfänger, Quarz, Fahrtregler und ggfs. Lichtelektronik fort. Das wird alles ersetzt durch eine kleine 1mm dicke Platine und eine kleinen IR-Empfangsdiode.

Eine sehr neue Entwicklung ist der "Muskeldrahtservo". Ein Draht wird von Strom durchflossen, erwärmt sich dadurch und die Erwärmung sorgt dafür, dass er um bis zu 5% kürzer wird. Es sind IR-Platinen entwickelt worden, die eine Ansteuerung für den Muskeldraht schon integriert haben. Ein "Muskeldrahtservo" gibt es (noch?) nicht zu kaufen, man muss ihn selbst bauen.

IR-Steuerungen sind erhältlich bei Mikroantriebe.de und Mikromodellbau.de.

Geschichte der 1:87 RC-Autos

Bohrinselversorger mit 1:87 RC-Trucks als Decksladung im Jahr 1989

Ende der 1980er Jahre wurden von den Modellbauern in Hannover die ersten 1:87 RC-Lastkraftwagen gebaut, und die Firma Robbe hatte zu der Zeit bereits einen 1:87 RC-Truck im Angebot. Anfang der 1990er Jahre erlebten diese Modelle einen ersten Höhepunkt, es entstanden LKW-Modelle mit vielen Funktionen (Licht, Anhängerkupplung und mehr). Bis Anfang 2000 war anschließend eine ruhige Zeit, doch dann kam auf der Modellbaumesse in Sinsheim die Idee des TableTopTruckTrial auf. Dabei handelt es sich um Geschicklichkeitsfahrten mit ferngesteuerten 1:87 LKW in schwerem Modellgelände, abgeleitet vom Truck Trial mit Originalfahrzeugen. Seit dieser Zeit wächst die Fangemeinde der 1:87er langsam und stetig, und es fahren inzwischen (Anfang 2006) sogar Fahrzeuge in 1:120 (Spur TT) und ein 1:160 (Spur N) VW-Bus durch die Landschaften. Aber es wird nicht nur gefahren, viele funktionsfähige Bagger, Radlader, Kipper usw. bereichern die Szene und ermöglichen Baustellenbetrieb in 1:87.

Baumaschinen

1:87 Baumaschinen im Einsatz (IR-gesteuert)

Seit die IR-Fernsteuerung verfügbar ist, hat der Bereich Baumaschinen in 1:87 einen enormen Aufschwung erhalten. Es werden Bagger, Radlader, Stapler, Planierraupen und mehr gebaut. Die geringe Baugröße der IR-Fernsteuerung, die modernen Lipo-Akkus und neue kleinste Servos machen dies möglich.

Schiffe

Das 1:87 Landungsschiff Harle Gatt ist hervorragend für den gemeinsamen Betrieb mit 1:87 RC-Fahrzeugen geeignet

Mit dem Auftauchen der 1:87 RC-Autos sind die Schiffsmodelle etwas in den Hintergrund getreten. Vielleicht liegt es daran, dass die kleinen Autos fast überall fahren können, die Schiffe aber immer etwas Wasser unter dem Kiel benötigen. So wie die Autos meist aus Modellen von Herpa, Kibri usw. umgebaut werden, so entstehen viele RC-Schiffsmodelle aus Plastikbausätzen. Sehr beliebt ist z.B. die Smit Rotterdam in 1:200 von Heller. Typisch für die Schiffe der Mikromodellbauer ist, dass sie Zusatzfunktionen haben (z.B. Licht, Ankerwinde, Radar, usw.).

U-Boote

Dies ist der Prototyp aller tauchfähigen Überraschungseier, gebaut von Thorsten Feuchter Anfang 1999

Dass Erfindungen der Mikromodellbauer auch in den Markt kommen, sieht man an dem berühmten Ü-Ei U-Boot. Solche U-Boote sind für wenige Euro in vielen Spielzeugabteilungen erhältlich. Die Geschichte des allerersten U-Bootes dieser Bauart findet man in der Zeitschrift Modell Werft, Ausgabe 5/1999 oder in diesem Baubericht.

U-Boot Spezialisten gibt es nur wenige in der IG Mikromodell, aber es gibt noch ein paar außerhalb der IG.

Technischer Fortschritt in 15 Jahren Mikromodellbau

Ein 1:87 RC-Truck aus dem Jahr 1988: ohne Anhänger ging es noch nicht

Die 15 Jahre technische Entwicklung zwischen 1990 und 2005 sind auch am Mikromodellbau nicht spurlos vorübergegangen. Dazu ein paar Beispiele:

Früher wurden umgebaute Servoelektroniken als Fahrtregler verwendet, und man nahm speziell beschaltete Servo-ICs. Berühmt ist hier der IC ZN419CE geworden, der in ungezählten Fahrtreglern seinen Dienst tat und manchmal noch tut. Den ZN419CE gab es nur im großen DIL14 Gehäuse. Heutzutage sind Fahrtregler für Mikromodelle kleiner und sehr viel intelligenter. Sie werden mit Mikrocontrollern aufgebaut, das sind programmierbare Bausteine, eine Art Ein-Chip-Computer. So hat z.B. der MotorTiny wählbare Taktfrequenzen, automatisches Rück- und Bremslicht und Unterspannungswarnung durch Blinken der Bremslichter.

Eine weiterer Fortschritt ist bei der Lichtelektronik festzustellen. Der typische 1-Kanal Schalter mit dem Logik-IC 4001 wurde ebenfalls durch den Mikrocontroller abgelöst. Der 14-Pin 4001 schaffte man gerade, das Licht ein- und auszuschalten, die modernen 8-Pin Controller dagegen können z.B. Licht, Blinker rechts-links, Warnblinker und Rundumlichter schalten (LichtBlinkTiny).

Der Einsatz des Mikrocontrollers hat aber noch weitere Vorteile: es gibt keine Trimmpotentiometer mehr, die man im Modell einstellen muss. Damit hat man z.B. früher den Nullpunkt eines Fahrtreglers eingestellt, der moderne Fahrtregler aber berechnet sich den Nullpunkt selbst. Und aufwändigere Fahrzeuge wie ein Feuerwehrfahrzeug haben sogar Programmierstecker, so dass sie mit einem Software-Update versorgt werden können.

Bildergalerie

Siehe auch

Weblinks