Flachpressplatte

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38 mm Spanplatte schräg geschliffen

Die Flachpressplatte (auch Spanplatte oder Pressspanplatte, kurz FPY) ist eine Untergruppe der Holzspanwerkstoffe.

Inhaltsverzeichnis

Aufbau

Sie besteht aus Holzspänen und einem Klebstoff, wobei die Späne parallel zur Plattenebene liegen.

Einschichtplatten bestehen aus einer homogenen Schicht, Dreischicht- und Mehrschichtplatten aus mehreren Schichten, wobei die Mittellage grob und die äußeren Schichten immer feiner werden.

Der landläufig als Spanplatte bezeichnete Plattenwerkstoff ist eine Flachpressplatte mit besonders feinspaniger Oberfläche und läuft im Fachhandel unter dem Kürzel FPO. Sie ist wurf- und windgeschüttet, wodurch bei der Herstellung ein allmählicher Übergang von der grobspanigen Mittelschicht zur feinen Deckschicht erreicht wird. Die Rohdichte beträgt ca. 660 kg/m³.

Im Handel erhältliche Abmessungen

  • Dicke: 8, 10, 13, 16, 19, 22, 25, 28, 35 und 40 mm, extradünn ab 3 mm (dann auch Dünnspanplatte genannt) und extradick bis 80 mm.
  • Format: bis 5600 x 2070 mm.

Besondere Flachpressplatten

Durch Zusätze bei der Herstellung oder durch eine Beschichtung (Grundierfolie, Dekorfolie, Furnier ...) können die Platten ihrem Verwendungszweck angepasst werden.

Die leichte Flachpressplatte (LF) mit ihrer Rohdichte von 250 bis 500 kg/m³ stellt ebenfalls eine Sonderform dar und wird u. a. als Akustikplatte verwendet.

Nicht brennbare oder schwer entflammbare Platten sind oft zementgebunden und zählen bei einem Zementgehalt von ca. 25% eher zu den mineralischen Plattenwerkstoffen.

Herstellung

Spanplatten werden aus Kostengründen hauptsächlich aus Holzresten und Durchforstungsholz hergestellt. Weiterhin werden Klebstoff zur Verbindung der Späne und diverse Netz- und Trennmittel für den Preßvorgang eingesetzt.

Holzaufbereitung

Da eine Spanplatte ein möglichst glatte Oberfläche haben aber gleichzeitig auch Belastungen standhalten soll, muß das Holz in verschiedenen Größen vorliegen. Kleine Teile für die Oberfläche, möglichst große, flache Teile für den Kern, der die Belastung aufnimmt. Für die Oberfläche werden häufig Sägespäne eingesetzt, die keiner Nachbearbeitung bedürfen. Die anderen Späne werden auf speziellen Zerspanermessern aus Voll- oder Sägerestholz erzeugt. Dabei ist darauf zu achten, dass die einzelnen Holzsorten mit dem Leim abgestimmt werden.

Nach der Zerspanung wird das Material getrocknet, dabei wird die Restfeuchte auf ca. 2% reduziert. Dieser Prozeß ist extrem feuergefährlich. Sehr häufig kommen Trommeltrockner zum Einsatz. Diese bestehen aus einer großen, leicht in Richtung Ausgang geneigten Trommel die langsam um die Längsachse rotiert und dabei von heißer Luft durchströmt wird. In dieser bewegen sich die leichten Späne schneller fort als die schweren, dadurch wird eine gleichmäßige Trocknung erreicht.

Anschließend wandern die Späne in Sichter, in denen sie nach Größe getrennt werden, zu große Teile werden nachverarbeitet oder werden zur Energiegewinnung verbrannt.

Verpressung

Über Bunker werden die Späne zur Beleimung gefördert und anschließend verpresst. Dabei kommen fast nur noch kontinuierliche Pressen zum Einsatz, die eine „unendliche“ Platte produzieren, die am Ende auf die richtige Länge geschnitten wird.

Eine derartige Presse ist bis zu 60 Meter lang und besteht aus zwei Endlos-Stahlbändern (ober- und Unterseite), zwei beheizten Preßplatten, den Rollstäben, den Preßzylindern, dem Heizsystem und einer Gegenheizung. Die Rollstäbe reichen über die gesamte Preßplattenbreite, werden seitlich von Ketten gehalten und von diesen mitgenommen. Sie befinden sich zw. der statischen Preßplatte und dem sich bewegenden Stahlband. Die Rollstäbe mindern die Reibung zwischen Heizplatte und Stahlband und garantieren die Wärmeübertragung.

Zylinder und Heizsystem sind in Längsbereiche oben und unten unterteilt, um Temperatur und Druck separat steuern zu können. Quer sind jeweils mehrere Zylinder angeordnet. Die Preßtemperatur beträgt zwischen ca. 200° und 250°.

Die Späne werden auf ein Förderband gestreut, mittels einer Windwurfmaschine wird dabei dafür gesorgt, dass die Oberflächen aus dem feinsten Streugut bestehen und die größten Teile in der Mitte des „Kuchens“ landen. In der Presse bindet unter Druck und Wärme der Leim ab und es entsteht die Spanplatte. Diese wird auf die gewünschte Länge gesägt, besäumt und normalerweise die Breitfläche beschliffen. Vor dem Schliff kann noch eine Auskühlphase zwischengeschaltet sein. Der anfallende Staub wird teilweise in der Produktion für die Deckschicht verwendet, sonst zur Energiegewinnung verbrannt.

Technische Kennzahlen

Werte gelten für Platten der Normtypen V20 und V100

Eigenschaften Plattendicke [mm]
bis 13 >13–20 >20–25 >25–32 >32–40
Rohdichte [kg/m³] 750–680 720–620 700–600 680–580 650–550
Biegefestigkeit flach [N/mm²] 25–18 22–16 20–15 18–13 15–12
Biege–E–Modul flach [N/mm²] 4500–3200 4000–2800 3500–2500 3000–2000 2500–1600
Biege–E–Modul hochkant [N/mm²] 2200 1900 1600 1300 1000
Biegefestigkeit hochkant [N/mm²] 18–13 15–12 13–11 12–10 11–9
Zugfestigkeit in Plattenebene [N/mm²] 10–8 10–8 9–7 9–7 8–6
Zug–E–Modul in Plattenebene [N/mm²] 3000–2500 2800–2300 2700–2200 2600–2100 2500–1900
Druckfestigkeit in Plattenebene [N/mm²] 15–13 15–13 14–12 14–12 13–11
Druck–E–Modul in Plattenebene [N/mm²] 3000–2500 2800–2300 2700–2200 2600–2100 2500–1900
Querzugfestigkeit trocken [N/mm²] 1,0–0,5 0,8–0,4 0,7–0,35 0,6–0,3 0,5–0,25
Blockscherfestigkeit [N/mm²] 2,8–1,4 2,2–1,1 2,0–1,0 1,0–0,9 1,4–0,7
Scherfestigkeit senkrecht zur Plattenebene [N/mm²] 10–7 9–6 9–6 8–5 8–5
Abhebefestigkeit [N/mm²] 1,6–0,8 1,6–0,8 1,6–0,8 1,6–0,8 1,6–0,8
Brinellhärte 50–40 45–35 45–35 40–30 40–30

Bezüglich der Formaldehyd-Emission wurden im Laufe der Zeit unterschiedlich Grenzwerte und damit auch Emissionsklassen definiert.

Spanplatten der Klasse E1 müssen bei der Emission von Formaldehyd den Vorschriften für Wohnräume entsprechen. Die Spanplatten der Klasse E0 dürfen nur soviel Formaldehyd wie natürliches Holz an die Raumluft abgeben. Bei der Emissionsklasse E0 handelt es sich nicht um einen genormten Begriff. Es ist eher eine freiwillige Kennzeichung. Diese wird auch oft im Zusammenhang mit den in Japan bereits normativ festgelegten Begriff F**** (sprich engl.: F four star) verwendet.

Literatur

  • Hans-Joachim Deppe, Kurt Ernst: Taschenbuch der Spanplattentechnik, DRW-Verlag, Stuttgart 1991, ISBN 3871813206
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