ABS

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Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymerisat (ABS) ist ein synthetisches Terpolymer (ein Kunststoff) aus den drei unterschiedlichen Monomerarten Acrylnitril, Butadien und Styrol. Je nach Mischungsverhältnis der drei Stoffe lassen sich die Eigenschaften von ABS gezielt beeinflussen. ABS ist ein Massenkunststoff, der viel in der Automobil- und Elektroindustrie eingesetzt wird.

Inhaltsverzeichnis

Eigenschaften

ABS ist dem bekannten Polystyrol sehr ähnlich. Es zeichnet sich jedoch durch eine ca. um 10°C höhere Wärmeformbeständigkeit, höhere chemische Beständigkeit, sowie bessere Witterungsbeständigkeit aus. Es lässt sich leicht wärmeformen, ist ausgezeichnet schweiß- und klebbar, aber auch spanabhebend bearbeitbar. ABS eignet sich auch gut zum Beschichten mit Metallen und Polymeren. Dies macht es z.B. möglich, eine verchromte Oberfläche auf einem Kunststoffteil zu erhalten.

Die Eigenschaften von ABS im Überblick:

  • hohe Oberflächenhärte
  • gute Schlagfestigkeit
  • kratzfeste und mattglänzende Oberflächen
  • gute Beständigkeit gegen wässrige Chemikalien
  • kann mit Methyl-Ethyl-Keton (MEK) geklebt werden
  • nicht beständig gegen Lösungsmittel
  • kann in beliebigen Farbgebungen produziert werden

Die Modellbahnhersteller optimieren die ABS-Eigenschaften nach unterschiedlichen Kriterien. So nutzen z.B. sowohl Roco als auch Fleischmann ABS für ihre Lokgehäuse. Vergleicht man beide, so fällt auf dass das ABS von Roco weicher und etwas unempfindlicher ist, das ABS von Fleischmann dagegen schärferen Kanten und einen angenehmen Seidenglanz-Effekt hat. Im Vergleich zu einem (alten) Piko-Gehäise aus Polystyrol sind beide aber deutlich stabiler gegn Bruch und Kratzer.

Anwendungen

Typische allgemeine Anwendungsbereiche von ABS sind:

  • Tiefziehteile aus ABS-Platten und -Folien
  • Sichtteile
  • Gehäuse
  • Lego-Klötzchen
  • Optik, Brillenfassungen

Typische Anwendungsbereiche im Modellbau sind:

  • Gehäuse
  • Schnappverbindungen allgemein
  • Verbindungen mit selbstschneidenden Schrauben

Verarbeitung im Modellbau

  • Herstellen von Bauteilen
    • Schneiden: dünne Materialien können bequem mit einer entsprechenden Schere geschnitten werden.
    • Abbrechen: bei dünnen Materialien mit einer scharfen Messer (Cutter) anritzen und an einer scharfen Arbeitskante abbrechen, bei dickeren Materialien können gerade Schnitte besser mit einer Hakenklinge etwa auf die Hälfte der Materialstärke geritzt werden und dann gebrochen werden.
Tipp: Die Spitze eines Hakens abbrechen, so entsteht eine Art Ziehhobel.
    • Spanabheben
      • Sägen: mit grober Feinsäge langsam ohne Wärmeeinwirkung, sonst verklebt das Material. Ab 4 mm geht auch langsam laufende Metallkreissäge.
      • Kanten säubern, feilen: mit grober Feile vorarbeiten, mit kleiner Feile kann präzise nachgearbeitet werden.
  • Nachbearbeitung
    • Drehen, Fräsen: mit reduzierter Drehzahl ist es ausgezeichnet möglich, aus Massivmaterial Formen herauszuarbeiten.
Tipp: Aus mehreren Platten etwa 2mm lassen sich mit mehrfachem Aufdoppeln mittels 
  Aceton dickere Schichten herstellen, es ist sogar möglich, bei Transparentmaterial 
  eine Einlage aus Netz oder dünnen Kunstseidenstoffen als Muster einzukleben
    • Schleifen, Oberfläche: Schmirgelleinen trocken 60-100, Endpolitur ist mittels Tauchen in Aceton oder Überwischen mit Finger - das muss sehr schnell gehen - möglich.
    • Kleben
      • ABS mit ABS am besten mittels Uhu-hart bei großen Teilen Montagekleber (Kartusche), darauf achten, dass dieser für Polystyrol/ABS geeignet ist. Ebenfalls kann das Material in Aceton angeweicht werden um dann gut fixiert voll durchzutrocknen, das dauert ca 10 Stunden bei 20°C. Leicht pressen.
      • Uhu Allplast ist laut Produktdatenblatt für ABS-Klebungen ausgewiesen: [[1]], ebenso Uhu Plus Multifest, ein Cyanacrylat-Kleber mit langer Verarbeitungszeit: [[2]]
      • ABS mit Alu, Messing: Sekundenkleber, Stabilit-Express, dabei sowohl ABS als auch das Metall anrauhen und mit Lösungsmittel reinigen, auf fettfreie Finger und Werkzeuge achten.
    • Schweißen: mit einem Lötkolben kann das Material untereinander auch verschweißt werden - Punktschweißtechnik, dabei muss jedoch auf eine geeignete Temperatur geachtet werden, nicht zu heiß. Dies Verfahren bietet sich bei senkrechten Verbindungen an, bei denen zusätzlich die Nähte verstärkt werden dürfen.
    • Lackieren: anrauhen, entfetten, 1-2x grundieren, 1-2x lackieren, 1x klarlackieren.

Weblinks