Offene Rahmenbauweise

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Der Anlagenunterbau ist die Grundvoraussetzung für eine stationäre Modell(eisenbahn)anlage.

„Die Basis ist die Grundlage des Fundaments“

möchte man manchem Bastler ins Stammbuch schreiben. Je nach Anforderung an das fertige Werk steigern sich auch die Ansprüche an die Konstruktion und damit - an den Unterbau. Mit der Entwicklung und Verfeinerung der Modelleisenbahn selber entwickelten sich die verschiedenen Methoden, eine Modellbahnanlage zu realisieren. Die Spielbahner, die es leid waren, immer Teppichflusen im Getriebe zu haben und die, die jedesmal zum Abendessen die Bahn wieder vom Esstisch räumen zu mussten, kamen auf andere Lösungen.

Inhaltsverzeichnis

Arten des Unterbaus

„Platte“ aus den 1960/1970er Jahren: Gleiswüste auf einem Flohmarkt in Amsterdam

Die Platten-Anlage

erlaubte, die Gleise fest zu montieren. Als Stützgerüst genügten zwei Untersetzböcke. Bei Nichtgebrauch stand die "Platte" hochkant in der Besenkammer oder verschwand unter dem Bett. Die oft zu findende Größe von etwa 100 × 200 cm bescherte dieser Bauform den Namen "Türblattanlage". Auch dürfte die Standard-Abmessung des „Türblatts“ bzw. Bettes ein Grund dafür sein, dass die beiden kleinsten Radien fast aller H0-Hersteller dort drauf passen. Die Ausgestaltung hielt sich normalerweise in Grenzen: Je nachdem, wieviel Platz unter dem Bett / in der Kammer war, verboten sich hohe Gebäude oder Berge.

Das Fertiggelände

Fertiggelände „Traunstein“, voll ausgestattet. Hersteller NOCH

war die Variante für Modellbahner mit mehr Taschengeld. Verschiedentlich bot die Industrie aus Hart-PVC geformte Gelände an, deren graue Oberfläche schon entsprechend des „Bebauungsplans“ begrast, blau gestrichen oder mit Korkschrot beklebt waren. Die Maße lagen meist (für H0) im Bereich von etwa 150 × 100 cm, also wiederum ausreichend für eine zweigleisige Strecke im Oval. Je nachdem boten die Hersteller gleich auch einen Satz passender Brücken dazu an. Manche der Fertiggelände konnten mit entsprechenden „Ergänzungs-Geländen“ auf mehrere Meter Länge wachsen. Der Unterbau konnte wiederum mit ein paar Böckchen erstellt werden.

Sauber zugesägt, sauberes Ergebnis: Rahmenbau!
Auch der zweite Rahmen ist fertig. Die hintere Zimmerwand passt genau.
Aller guten Dinge sind drei. Dann ist das Zimmer voll.

Für die anspruchsvollen Modellbahner war dies doch nicht das Richtige. Wer nach individueller Gestaltung strebte, musste „Platte“ und „Fertiggelände“ ablehnen. Die „Platte“ wurde zu schnell lanagweilig, weil die Züge eben immer im (voll übersehbaren) Kreis fuhren. Wurde der Innenraum der Ovale noch mit Schienen belegt, entstand schnell die berüchtigte „Gleiswüste“.

Auch die Fertiggelände, manche mit (kurzen) Tunnels, Bergen, Trassen in 8-Form (!), waren eben starr in der Planung. Ein individueller Gleisplan war nicht realisierbar.

Die offene Rahmenbauweise

sollte schließlich Abhilfe bringen. Allerdings benötigen solche Anlagen einen festen Standort; je nach Größe sind sie nicht ohne weiteres zu transportieren. Aber gut geplant, übersteht die Anlage auch eine Umzug. Gegenüber den vorgenannten bietet die offene Rahmenbauweise viele Vorteile:

  • Stabilität: Richtig ausgeführt trägt der Rahmen nicht nur die Modellanlage, sondern zusätzlich noch einen ausgewachsenen Mann. Das erlaubt, zu Montage-/Reparatur-/Wartungszwecken, auf die Anlage zu klettern, die also auch größer sein darf, als die Reichweite der Arme sonst zuließe.
  • Freie Gestaltung: Der offene Rahmen erlaubt Steckenführungen auch in den Untergrund (Schattenbahnhof!) Es müssen nur ein paar Aussparungen an den Querbrettern für die Rampen vorgenommen werden. Für die Geländegestaltung bieten sich ausreichend stabile Montagepunkte.
  • Zugriff von unten: Auch verdeckte Strecken unter Bergen können jederzeit von unten erreicht werden. Die Verkabelung kann bequem im Sitzen ausgeführt werden, die Leitungen lassen sich an den Platten übersichtlich verlegen. Keine Über-Kopf-Arbeit.
  • Arbeiten vor Ort: Beim Aufbau kann man in den Rahmen steigen, beispielsweise um im hinteren Bereich bequem montieren zu können, solange noch Rahmenfelder „offen“ sind. Wer die Arbeiten richtig aufteilt, hat die Berge im Hintergrund schon fertig ausgestaltet, bevor er im vorderen Bereich mit der Geländehaut „zumacht“.

Vorgehen

Plan

An erster Stelle muss natürlich der genaue Bedarf an Baumaterial ermittelt werden. Je nach eigener Schulterbreite und Gelenkigkeit wird der Abstand des entstehenden Rasters bestimmt. Ein Maß um die 50 cm sollte eigentlich immer passen. Genau Rechnen: Immer Feldweite + Materialstärke + eine Materialstärke für das abschließende Brett. Das sind die außen liegenden. Innen sind alle um 2 Materialdicken kürzer. So sollte es gelingen, eine exakte Stückliste zu erstellen. Als Material empfehle ich sog. Tischlerplatte, fachsprachlich: Stabsperrholz, die leichter und günstiger ist als Sperrholz. Stärke: 15 oder 20 mm. Bei einer Rahmenhöhe von 15 bis 20 cm ist sie ausreichend stabil, dazu gut zu verarbeiten (bohren, sägen). Für eine Zimmeranlage ist sie zudem ausreichend verwindungsicher. (Bauwerke, die auf Dachböden oder in Kellern entstehen, müssen eventuell gegen Luftfeuchte geschützt werden!) Am einfachsten ist es, mit der Stückliste zum nächsten Baumarkt oder Holzhändler zu gehen und sich die Platten direkt maßgenau und winklig(!) zuschneiden zu lassen.

Zusammenbau

Die Innen-Bretter werden ineinander gesteckt, bekommen also vor dem Zusammenbau jeweils einen Schlitz bis zur halben Höhe eingesägt. Bei der Montage wird ein großer Richtwinkel gute Dienste leisten. Gefügt werden die Schlitzverbindungen mit etwas Leim, die Außenseiten werden zusätzlich verschraubt. An einigen ausgewählten Kreuzungspunkten werden noch Stützbeine montiert. Die Höhe hängt wieder vom persönlichen Geschmack ab. Will man die Anlage später im Stehen/Gehen betreiben? Oder hauptsächlich sitzend im Bürostuhl? Will man dem Lokführer in die Augen sehen können oder lieber eine Helikopter-Perpsektive? Sollen die Kinder auch was davon haben? Welche Augenhöhe haben die Kleinen? Für die Feineinstellung sind in jedem Fall verstellbare Stützfüße empfohlen, mit denen sich unser Rahmen haargenau "in die Waage" bringen lässt.

Der in den Bildern gezeigte Aufbau ist mehrteilig ausgeführt. Das ist nicht unbedingt notwendig, aber im Hinblick auf einen eventuellen späteren Verkauf oder einen Umzug zu bedenken. Bei dieser Variante lässt sich die Anlage eines Tages mit minimalen "Flurschäden" zerlegen und transportieren.

Vor dem endgültigen Aufstellen des Rahmens empfehle ich immer, schon den Hintergrund anzubringen. Noch ist Platz, man kommt leicht an alle Wände heran. Auch eine geplante Ausleuchtung sollte bereits jetzt erledigt werden.

Nun könnte es weiter gehen mit dem eigentlichen Anlagenbau. Dazu empfehle ich die Spantenbauweise.

Persönliche Erfahrungen

Fertiggelände

Wie oben bereits angesprochen, ist das Fertiggelände nicht jedermanns Sache. Schön, man kann recht schnell mit dem Zugbetrieb loslegen. Auch schön: Das ganze Stück kann im Bedarfsfall zum Einmotten auf den Dachboden geschafft werden. Was mich (vor etwa 40 Jahren) aber störte: Der Werkstoff PVC war ausreichend zäh, um das (Hand-)Bohren von Kabellöchern oder Eindrehen von Gleisschrauben zur Qual zu machen. Gut, dazu hätte ich heute einen Akkuschrauber. Im Ernst: Der Gleisplan war von Kibri vorbestimmt und zwar un - ab - än - der - lich. Und damit war auch den Zuggarnituren in der Länge eine klare Grenze gesetzt: E-Lok plus 3 D-Zug-Wagen, mehr ging nicht in den Bahnhof rein. Und das waren noch die 24-cm-Teile. Zwar haben wir auch damals schon Versuche unternommen, einen weitläufigen Berg mit Tunnels aus Latten, Hasendraht, und Papiermachè zu bauen, aber das Wahre war es nicht.

Diese Erfahrungen mit Fertiggeländen sind die von HahNullMuehr. Nachträgliche Änderungen und Ergänzungen sind in der Liste der Autoren (versionen) nachvollziehbar. Eventuelle Erfahrungen im Nachbau und Fragen zum Tipp gibt es auf der zugehörigen Diskussionsseite.

Rahmenbau

Für den Unterbau meiner Modellbahn verwende ich 12 mm Birkensperrholz. Dazu lasse ich mir vom nahegelegenen Heimwerkermarkt sechs Stück 12 cm breite Streifen mit 80 cm länge zuschneiden (für einen Rahmen von 80 cm × 80 cm Schenkellänge). Diese werden an den Enden halbe Streifenbreite und ganze Materialstärke abgesetzt (ausgeklinkt; Stichsäge, Tischkreissäge mit Parallelführung); Längsmittig ebenso (Achtung auf Kreuzverbindung!) Bilder (http://www.heinzmann.at) Die einzelnen Bretter werden nun verleimt (Wasserfest) und verschraubt.

Für die Beine kann man sich bei einem großen Möbelhaus mit dem Elch Metalltischfüße mit Höhenausgleich besorgen oder Holzbeine verwenden wie ich.