BOB B3 6

Aus Modellbau-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
BOB B3 6 Kaiserwagen bei der BC in Blonay in der Westschweiz im September 2014.

Der Personenwagen B3 6 der Berner Oberland-Bahn (BOB) ist ein Einzelstück, das bei der Museumsbahn Blonay-Chamby (BC) erhalten geblieben ist. Die Bezeichnung Kaiserwagen erhielt er anlässlich des Besuches des Deutschen Kaisers im Herbst 1912 in der Schweiz.

Inhaltsverzeichnis

Vorbild

Technische Daten

Nummerierung: 6
Anzahl: 1
Hersteller: SIG
Baujahr(e): 1901
Spurweite: 1000 mm (Meterspur)
Zahnstangensystem: Riggenbach
Länge über Puffer: 9'980 mm
Breite: 2'600 mm
Fester Radstand: 6‘200 mm
Leermasse: 8,6 t
Sitzplätze: 24 (2. Klasse)

Geschichte

Die finanziellen Verhältnisse der Berner Oberland-Bahn waren schon allein des Saisonbetriebes wegen nie gut. Der Personenwagenbestand war lange Zeit für die Tage mit hohem Verkehrsaufkommen eher unterdotiert. Die Eisenbahngesellschaft bemühte sich wiederholt mit kleineren Einzelbestellungen den Personenwagenbestand aufzustocken.

1900 wurden aus diesem Grunde bei der damaligen Schweizerischen Waggon-Fabrik (SIG) in Neuhausen am Rheinfall vier Personenwagen bestellt. Es waren dies die B3 5, B3 6, C3 25 und C3 26, die alle in grüner Farbe 1901 abgeliefert wurden, wobei die beiden C3 gleich aufgebaut waren, die beiden B3 dagegen verschieden. Im Jahre 1902 wurde der Wagen B3 6 mit Franken 13‘500.- bezahlt.

Der B3 6 wurde frisch revidiert für den geplanten Besuch des deutschen Kaisers Wilhelm II. im Herbst 1912 im Berner Oberland bereitgehalten. Der Kaiser benutzte aber den Wagen mit seinem Gefolge für einen Besuch im Berner Oberland nicht, da er länger als geplant am Kaisermanöver des III. Armeekorps der Schweizer Armee in der Ostschweiz verweilte. Zu diesem Zeitpunkt erhielt der Personenwagen die Bezeichnung Kaiserwagen.

1956 wurde der Personenwagen ausrangiert und 1959 an die Meiringen-Innertkirchen-Bahn (MIB) verkauf. Diese baute diesen vom B3 zum B2 um und setzte ihn als B2 2 jahrelang im Schülerverkehr ein. Bei diesem Umbau wurden die 24 Sitze der Polsterklasse durch 32 Sitze der Holzklasse ausgetauscht. Da dies im Zeitraum des Wechsels von drei Wagenklassen auf zwei Wagenklassen erfolgte, blieb es beim Gattungszeichen B.

1978 kehrte der Personenwagen von den Modelleisenbahnfreunde Eiger Zweilütschinen (MEFEZ) gekauft zurück auf das meterspurige Bahnstreckennetz der Berner Oberland-Bahnen. Dort wurde er wieder vom B2 zum B3 umgebaut und mit einer Bareinrichtung versehen. Auch wurde der blau/weisse Anstrich aus der Zeit bei der Meiringen-Innertkirchen-Bahn durch einen historisch braunen Anstrich mit passender zeitgenössischer Beschriftung ersetzt.

Ab 1980 konnte der Personenwagen als Barwagen mit nunmehr 16 Sitzen der Holzklasse in den historischen Zügen und für Extrafahrten eingesetzt werden. Diesbezüglich hatte er auch die Zulassung für eine maximale Geschwindigkeit von 75 km/h und die Bahnstrecke Interlaken-Luzern der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), allgemein als Brünigbahn bekannt.

Verbleib

Letztmalig 2013 vor Sonderzügen im Einsatz, gelangte der Kaiserwagen zusammen mit der HGe 3/3 29 der Berner Oberland-Bahn noch im gleichen Jahr an die Museumsbahn Blonay-Chamby. Dort wird er nach vorgenommenen Anpassungen seit 2014 zusammen mit der erwähnten Lokomotive und dem ebenfalls von der Berner Oberland-Bahn stammenden Sommerwagen C4 44 unter anderem in der Funktion als Barwagen im Jungfrau Nostalgie Express eingesetzt.

Literatur

  • Hans Häsler: Die Berner-Oberland-Bahnen, hundert Jahre Bahn nach Lauterbrunnen und Grindelwald, Minirex, Luzern 1990, ISBN 3-907 014-04-9
  • Wolfgang Finke: Die Fahrzeuge der Jungfraubahnen. Teil 1: Berner Oberland-Bahn (BOB), Jungfraubahn (JB), Mürrenbahn (BLM). Ein Buch auf DVD, Verlag tram-tv, Köln 2010, ISBN 978-3-9813669-2-1
  • Wolfgang Finke: Die Fahrzeuge der Jungfraubahnen. Teil 2: Wengernalpbahn (WAB), Schynige Platte-Bahn (BLM), Harderbahn, Allmendhubelbahn, Heimwehfluhbahn. Ein Buch auf DVD, Verlag tram-tv, Köln 2010, ISBN 978-3-9813669-3-9

Modell

  • Für die Modellbauer gibt es eine detaillierte Zeichnung im Buch von Wolfgang Finke: Die Fahrzeuge der Jungfraubahnen 1 im Maßstab 1:87.