Freiflugmodelle

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Freiflugmodelle (FAI-Klasse F1) gehören zur ältesten Gattung fliegender Objekte - die ersten luftfahrtechnischen Entwicklungen basieren auf dieser grundlegenden Art des freien Fluges ohne äußere Beeinflussung.

Die hohe Herausforderung liegt an einer sehr feinfühligen Einstellung der Modelle, welche einen eigenstabilen Flug ausführen müssen. Diese Eigenstabilität in den unterschiedlichen Randbedingungen der einzelnen heute weltweit existierenden Klassen (FAI-Klasse F1) ist der besondere konstruktive Reiz an dieser Modellflug-Sportart.

In der Öffentlichkeit spielt heute der Freiflug kaum eine Rolle – er ist so etwas wie ein Extremsport, von Spezialisten abseits auf großen Wiesen- und Feldgeländen betrieben, an sanften Hängen oder in geschlossenen Hallen.

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Inhaltsverzeichnis

Hintergründe

Als die Fédération Aéronautique Internationale (FAI)¨ dazu überging, ihre Luftsport-Sparten mit Kürzeln zu sortieren, wurde der älteste Luftsport der Neuzeit, das Ballonfahren, Class A. Modellflug, ähnlich alt, wurde Class F. Die dazugehörige Aeromodelling Commission der FAI, kurz CIAM, setzte wiederum ihre älteste Sparte auf Platz 1. F1 steht also für Freiflug, wie F2 für Fesselflug und F3 für die meisten Klassen des Fernlenkflugs.

In der Öffentlichkeit spielt heute der Freiflug kaum eine Rolle – er ist so etwas wie ein Extremsport, von Spezialisten abseits auf großen Wiesen- und Feldgeländen betrieben, an sanften Hängen oder in geschlossenen Hallen. Die üblichen Modellfluggelände sind zu klein, Freiflugmodelle auch nur zu trimmen. Denn diese lassen sich ja nicht steuern; sie werden von der Thermik angezogen und mit dem herrschenden Wind versetzt. Damit sie nur bis vielleicht zwei Kilometer weit und nicht auf und davon fliegen, haben alle eine Thermikbremse: Das Höhenleitwerk klappt - gesteuert von einer Zeitschaltuhr - so steil nach oben, dass am Flügel die Strömung abreißt und das Modell sanft, den Rumpf waagerecht haltend nach unten fällt. Diese Landetechnik ist so sicher, dass die Industrie sie immer wieder für große Flugzeuge zu kopieren suchte. Doch deren Gewicht pro Flügelfläche ist viel höher als das von Freiflugmodellen. Diese sind auf Gleiten mit niedriger Sinkgeschwindigkeit ausgelegt, und wer sie mit einer Fernsteuerung ausrüstet, wird enttäuscht feststellen: Sie fliegen zu langsam, um sich gegen den Wind zum Startplatz lenken zu lassen.

So gering das Aufsehen in der Öffentlichkeit, so aufregend das sportliche Geschehen. Alle Freiflieger fliegen Wettbewerbe, manche 20 und mehr pro Jahr. Dreißig Nationen laden zu rund 50 World Cup-Wettbewerben ein; die Sieger müssen mehrere dieser hochklassigen Konkurrenzen gewonnen haben, um ausreichend Punkte zu haben. Und Jahr für Jahr gibt es vier Welt- und Europameisterschaften, zu denen der DAeC deutsche Nationalteams entsendet. Vier der zwölf internationalen Meisterschaften im Modellflugsport sind also Freiflug-Ereignisse!

Warum so begeistert bleibt, wer einmal dabei ist? Es ist die einzigartige Ästhetik des langsamen Kreisens großer Vögel in der Thermik, das Freiflugmodelle nachahmen. Es erinnert uns an die Geier, denen unsere Vorfahren vor sechs Millionen Jahren in der afrikanischen Steppe folgten, um gefallenes Wild zu finden; mit ihren Genen haben sie uns vererbt, dass wir uns davon angezogen fühlen. Und warum so viele Wettbewerbe? Weil es so einfach ist, sich zu vergleichen: Ein Helfer stoppt die Zeit vom Start bis zur Landung und benötigt außer guten Augen - und gelegentlich eines Fernglases - nur eine Stoppuhr. Verglichen wird immer nur die geflogene Zeit bis zur Landung, als Maximalzeit gelten im Regelfall 3 Minuten. Natürlich gibt es bei nationalen und internationalen Meisterschaften ein umfassendes Reglement samt offiziellen Zeitnehmern, doch dieser Sport lebt von Fairness und gegenseitigem Vertrauen wie kaum ein anderer.

CIAM-Klassen für internationale Meisterschaften

F1A

Typisches F1A-Hochleistungs-Modell

Die „Königsklasse" (früher A2 oder Nordic) erfüllt die Vision vom kreisenden Vogel am vollkommensten – und wird von Bussarden und Roten Milanen als ihresgleichen anerkannt, wie sich immer wieder beobachten lässt. 50m hochfeste Leine bringen die Segler (zwischen 32 und 34 dm² Gesamtfläche bei 410 g Mindestgewicht) in die Höhe. Früher wurde dann sanft ausgeklinkt, heute dank ausgefeilter Hakentechnik so lange kreisend nach Thermik gesucht, bis sich das Modell beschleunigen und mit hoher Überfahrt in Aufwind schleudern lässt („Kreisschlepp").

F1B

Die älteste Modellflugklasse überhaupt heißt nach dem 1927 von Lord Wakefield gestifteten Wanderpokal auch Wakefield – diesen Pokal bekommt heute noch der jeweilige F1B-Weltmeister überreicht. Ein gerade 30 g schwerer Gummimotor lässt die Modelle fast senkrecht auf annähernd 100 m Höhe steigen. 17 bis 19 dm² Gesamtfläche, 200 g Mindestgewicht der Zelle.

F1C

Als vor über 70 Jahren die ersten kleinen Verbrennungsmotoren auftauchten, flogen Motormodelle so lange, bis das Benzin verbraucht war. Aus vielen Minuten sind gerade noch 5 Sekunden Motorlaufzeit geblieben, nach denen die äußerst eleganten Hochstreckungs-Modelle in den Gleitflug übergehen – in über 170 m Höhe! Mindestgröße und Mindestgewicht errechnen sich nach dem Motoren-Hubraum, der höchstens 2,5 ccm betragen darf; mit 2,5 ccm haben die Modelle ein Mindestgewicht von 750 g und eine Gesamtfläche von mindestens 37,5 dm². Früher Klasse I.

F1D

Die Weltmeisterschaftsklasse im Saalflug ist im Laufe ihrer Geschichte kleiner geworden, und darf nur von höchstens 0,6 g Gummi angetrieben werden. Dennoch sind die Leistungen gestiegen. Die feinen Gebilde aus Balsa und hauchdünner Folie haben höchstens 550 mm Spannweite (Leitwerk 450 mm) und müssen ohne Motor mindestens 1,2 g wiegen. Mit ca. 1500 Umdrehungen des Motors können sie in hohen Hallen über 40 Minuten in der Luft bleiben! – Auch im Saalflug wird die erreichte Flugzeit gewertet; die Modelle müssen grundsätzlich selbst gebaut sein.

F1E

Als sich im Deutschland der 20er und 30er Jahre Modellflug vor allem an Hängen wie denen der Wasserkuppe (Rhön) abspielte, träumte man von einer automatischen Geradeaus-Steuerung. Sie sollte das Modell zuverlässig gegen den Wind im Hangaufwind halten. Der Pionier Hans Gremmer brachte sie Anfang der 50er mit fingerdicken Magnetstäben zur Reife und schuf so eine eigene WM-Klasse. Sie ist ein Unikum, weil sie als einzige FAI-Klasse den autonomen, also selbst gesteuerten Flug erlaubt, und weil es für sie praktisch kein Größen- und Gewichtslimit gibt.

F1P

Start eines F1P-Modells

Da Jugendliche bei den ihnen allein gewidmeten Europa- und Weltmeisterschaften mit den etablierten Verbrennungsmotor-Klassen F1C und F1J nicht gut zurecht kamen, führte 2002 die CIAM die Klasse F1P ein. Der große, niedrig gestreckte Flügel (26 dm², höchstens 1450 mm Spannweite) erlaubt, auch mit herkömmlichen Bauweisen leistungsfähige Modelle zu bauen; die Steuerung des Höhenleitwerks ist auf drei Einstellungen begrenzt (Steigflug, Gleiten, Thermikbremse). Motor bis 1 ccm, bis 10 Sekunden Laufzeit.

Provisorische CIAM-Klassen Freiflug Outdoor

Nach dem Sporting Code der CIAM dürfen Regeln für die WM-Klassen nur alle vier Jahre geändert werden – die Internationale des Flugmodellsports möchte Planungssicherheit. Das gilt nicht für die folgenden „provisorischen" Klassen, die zum Teil aber auch schon auf ein ehrwürdiges Alter von über 50 Jahren (F1G, F1H) zurückblicken können. Einige werden national mit leicht veränderten Regeln geflogen. Zusätzlich haben alle nationalen Modellflugorganisationen eigene nationale Klassen; der DAeC macht da keine Ausnahme.

F1G

Die Motormodelle mit höchstens 10 g Gummi und einem Mindestgewicht von 70 g (ohne Motor) entspringen einem französischen Winterwettbewerb und heißen darum auch Coupe d’Hiver. Schwerpunkt in Frankreich und England.

F1H

Die kleinen Segler (früher A1) von bis zu 18 dm² Gesamtfläche haben international ein Mindestgewicht von 220 g, in Deutschland ist das Gewicht frei. Die Klasse ist bei uns sehr beliebt und Teil der deutschen Freiflugmeisterschaften des DAeC.

F1J

Verbrennungsmotoren bis 1 ccm treiben Modelle, die mindestens 160 g wiegen sollen, in 7 sec auf riesige Höhen. Mangels Beschränkungen wurde aus der einfachen ½ A der Angelsachsen eine schwierige Hochtechnik-Klasse.

F1K

Ein Mindestgewicht von 75 g erzwingt einen teuren und dann auch sehr leistungsfähigen Kohlensäure-Motor. Ein Tank von 2 ccm erlaubt damit Flüge von über 5 Minuten; die Leistung ist aber wetterabhängig. Wird in Deutschland praktisch nicht mehr geflogen.

F1Q

Die Freiflugklasse für Elektromotoren gilt seit 2006; Vorbilder gibt es in England und den USA. Festgelegt sind nur das Batteriegewicht (125 g für NiCd- und NiMH-Akkus bzw. 90 g für LiPo/Li-Ion) und bis zu 25 sec. Motorlauf. Im Unterschied zu F1G, F1H, F1J und F1K sollen 5 Runden à 180 Sekunden Maximalzeit geflogen werden (diese 5 x 120 sec).


Nationale DAeC-Klassen Freiflug Outdoor

F1H-J, F1A-J

Jugendliche bis 14 werden in der kleinen und der großen Seglerklasse gesondert gewertet, wenn sie Modelle fliegen ohne Kreisschlepphaken und ohne Kompositbauweise in Flügel und Leitwerk. Maximalzeit 5x 120 Sekunden.

F1H-N

Traditionelle Nurflügel-Klasse für Segler aller Größen.

F1C-X

Offene Klasse für Verbrennungsmotoren ohne Kugellager bis 3,5 ccm. Keine automatische Verstellung des Leitwerks erlaubt (außer Thermikbremse). Identisch mit der in England viel geflogenen Slow Open Power; Motorlaufzeit 10 sec für Glow-, 12 sec für Selbstzünder (Diesel).

F1V Classics

Regelt den Wettbewerb mit klassischen Freiflugmodellen aller Art (bis 1965). Zur Flugleistung (5x 180 Sekunden) gibt es Punkte für die Altersklasse des Modells. Die Leistung kleiner Modelle und von Nurflügeln wird höher bewertet, Abweichungen vom ursprünglichen Bauplan kosten Strafpunkte. So soll zusammengefasst werden, was als Vintage, Nostalgia oder Classics in Großbritannien, Frankreich, Tschechien, Polen oder den USA sehr beliebt ist.

P 30

Die kleine Gummimotorklasse ist ideal als Einstieg und hat zahlreiche Anhänger vor allem in den angelsächsischen Ländern. Die 30 stehen für 30 Zoll als Höchstmaß für Länge wie Spannweite, das P für Plastikpropeller, die kommerziell erhältlich sind und bis zu 9,5 Zoll Durchmesser haben dürfen. Gummimotor höchstens 10 g, Zellengewicht mindestens 40 g.

Provisorische CIAM-Klassen Freiflug Indoor

F1L

Angelsächsische Einsteigerklasse Easy Bee mit einen merkwürdig schmalen Flügel von bis zu 457 x 76 mm. Rumpf und Propeller aus Vollmaterial, Mindestgewicht der Zelle 1,2 g, Gummigewicht frei.

F1M

Die Beginner-Klasse sollte ebenfalls den Einstieg in den großen Saalflug erleichtern: Spannweite bis zu 460 mm und 3 g Mindestgewicht. Der Motor von nur 1,5 g Gummi erleichtert das Trimmen.

F1N

Gleitflugmodelle (Wurfgleiter) mit unbeweglichen Flächen, kein Antrieb – Größe beliebig.

Nationale DAeC-Klassen Freiflug Indoor

F1M-L

Die Limited ist als deutsche Einsteigerklasse eine vereinfachte F1M, bei der der Flügel max. 150 mm tief und der Vollbalsarumpf max. 650 mm lang sein darf. Der Hakenabstand des Gummimotors ist mit höchstens 270 mm festgelegt, um eine robuste Bauweise zu erzwingen.

P1/ 35 cm

Die alte kleine Papierklasse hat als einzige Beschränkung eine Höchstspannweite von 350 mm; Mikrofilm ist nicht zugelassen.

Ministick

Die kleinste Saalflugklasse eignet sich gut für Zimmer und Turnhallen und ist – geht man mit dem internationalen Mindestgewicht von 0,43 g großzügig um – ein idealer Einstieg: Flügel bis 178 x 63,5 mm, Höhenleitwerk bis 50 % Flügelfläche, Motorträger volles Material bis 127 mm, Rumpf ohne Propeller bis zu 254 mm lang. Propellerdurchmesser (volles Material) bis 178 mm.


Provisorische CIAM-Klassen Freiflug Scale

Alle bisher erwähnten 23 Freiflugklassen beschreiben reine Funktions-, also keine maßstabsgerechten Flugzeugmodelle. Doch auch für sie gibt es Klassen im CIAM-Reglement, die im Sporting Code unter F4 (Scale) zu finden sind. Es gibt in Deutschland nur einzelne Anhänger dieser Sparte; mangels deutscher Wettbewerbe müssen sie nach Frankreich, Tschechien oder England fahren, um sich zu vergleichen. Ohne das Gewicht einer Fernsteuerung fliegen kleine Scale-Modelle oft überraschend gut.

F4A

sind Freiflugmodelle mit Verbrennungs- oder Elektromotor; es gibt Punkte für vorbildgetreues Flugverhalten, Komplexität der Modelle und Bauausführung, die für die Wertung summiert werden.

F4D

haben Gummimotorantrieb und sind mit ihrer niedrigen Flächenbelastung von höchstens 15 g/dm für Indoor-Wettbewerbe gedacht. Mit CO2- oder Elektroantrieb heißen sie F4E, gewertet wird wie bei F4A. Anders F4F: Diese auch als Peanut bekannten Scale-Flieger müssen als echte Freiflieger Flugzeiten sammeln; die besten zwei von neun Zeiten werden gewertet. Dazu gibt es noch eine umfassende Bewertung der Bauausführung. Die Spannweite darf 330 mm oder die Rumpflänge 230 mm nicht überschreiten; vorgeschrieben ist ein Gummimotor.

Weblinks

Hinweis

Der Inhalt dieses Artikels basiert auf der Grundlage des Artikels auf den Web-Seiten von Modellflug-im-DAeC.