Märklin-Motor (3polig) Wartung und Fehlersuche

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Innenleben einer Baureihe 23 mit Scheibenkollektormotor

Beim alten analogen dreipoligen Märklin-Motor gibt es in diesem Artikel hinsichtlich der Wartung und Fehlersuche diverse Tipps und Empfehlungen:

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Lok läuft nicht mehr richtig... Der Schleifer ist in Ordnung, die Räder und die Schienen sind sauber... Wer weiß Rat?

So oder ganz ähnlich ist es in manchen Foren zu lesen. Wenn sich der Verdacht erhärtet, dass es am Motor liegt, kann man diesen mit einfachen Mitteln prüfen. Die von mir aufgeführten Empfehlungen beruhen auf einer Vielzahl eigener Erfahrungen. Ich rate denjenigen, die nicht über eine angemessene und notwendige Feinmotorik verfügen, lieber einen Fachmann zu beauftragen. Ich übernehme keinerlei Haftung für evtl. auftretende Schäden an Mensch oder Material.

Modellbau-Wiki-Level (von 1 bis 5):
Baugröße Anspruch Zeitaufwand Kosten
H0 3 2-3 1-3

Benötigtes Werkzeug

  • Multimessgerät,
  • Uhrmacherschraubendreher,
  • Pinzette

Einzelteile des Motors

Umschaltrelais

Umschaltrelais mit Rückstellfeder
  1. Um das Umschaltrelais zu prüfen, muss zunächst das Lokgehäuse entfernt werden, dazu ist im Normalfall eine Schraube mittig entweder oben am Dach oder von unten zu lösen.
  2. Die Lok wird auf das Gleis gestellt, und während wir am Trafo den Umschaltimpuls geben, wird das Relais auf dem Lokfahrgestell beobachtet. Zieht es an, ist zumindest die Spule in Ordnung.
  3. Danach muss durch genaues Beobachten feststellen, ob auch die Umschaltmechanik in Ordnung ist und den Fahrstrom umpolt.
  4. Sofern schon bei hoher Fahrspannung das Relais umschaltet, ist die Feder zu wenig gespannt oder gar ausgeleiert, dann muss sie ersetzt werden.
  5. Reicht die Spannung des Umschaltimpulses nicht aus oder macht die Lok zunächst einen heftigen Sprung in alter Fahrtrichtung, dann ist die Feder zu straff gespannt.

Empfehlung Ersetze dieses elektromechanische Umschaltrelais durch einen elektronischen Umschalter oder gleich einen günstige Digitaldecoder z. B. von Tams oder Uhlenbrock, diese eignen sich auch für den Analogbetrieb.

Stator mit Feldspulen

Stator mit Feldspule

Die Funktion der Feldspulen wird mit dem Ohmmeter geprüft. Die Feldspulen besitzt drei Anschlüsse A, B, und C, zwischen den Anschlüssen A und C sowie B und C sollte jeweils ein Widerstand von ca. 8 Ohm gemessen werden können.

Unterscheiden sich die beiden Werte deutlich, so wird die Lok in einer Richtung merklich schneller fahren als in der anderen.

Sofern für mindestens einen beiden der Widerstände kein Wert ermittelt werden kann, ist die entsprechende Feldspule defekt, die Lok kann dann nur noch in einer Richtung fahren – oder gar nicht!

Motorschild

Der Motorschild wird auf Sicht geprüft:

  1. Sichtprüfung auf Sauberkeit, wenn zuvor die Zahnräder in Öl – hoffentlich harzfrei – ertränkt wurden, wird unweigerlich auch der Motor etwas abbekommen haben. Vermischt mit dem Kohleabrieb kann sich das nachteilig auf die Fahreigenschaften auswirken.
  2. Lose Kabel aufgrund kalter Lötstellen oder Kabelbruch.
  3. Beim Scheibenkollektormotor Kohle und Bürste bzw. beim Trommelkollektormotor die beiden Kohlen auf Abnutzung und den richtigen Sitz prüfen, insbesondere dass die Andruckfedern eine angemessene Vorspannung aufweisen.

Vorsicht: Die kleinen Federdrähte sind sehr empfindlich!

Rotor mit Ankerspulen und Kollektor

Zur Prüfung muss der Rotor ausgebaut werden, dazu muss der Motorschild abgenommen werden, dieser wird i.d.R. von zwei Schrauben gehalten. Danach lässt sich der Rotor einfach herausnehmen.

  1. Sichtprüfung auf Sauberkeit, insbesondere in den Ritzen zwischen den Kontakten X, Y und Z des Kommutators. Diese können sich leicht mit Öl und Kohleabrieb zusetzen oder durch Bürstenfeuer korrodieren. Die Kontakte lassen sich zum Beispiel mit einem Schienenradierer von Roco reinigen, die Ritzen dazwischen mit einem Zahnstocher – bei Verwendung eines Messers können darunterliegenden Wicklungen beschädigt werden!
  2. Bei sehr hoher Laufleistung kann beim Scheibenkollektormotor ein weiteres Problem auftreten: Die Lok fährt nur noch in eine Richtung!
    Der Grund liegt in abgenutzten Kontakten X, Y und Z, da bei jedem Übergang die Kohlen die Kante nach dem Schlitz abschleifen, im Extremfall wird diese Kuhle so tief, dass die Kohlen beim Ändern der Drehrichtung dann in dieser Kuhle – nun vor dem Schlitz! – hängen bleiben.
    Dies tritt insbesondere bei Dampfloks auf, die meist "Schlot voraus" fuhren und dann nicht mehr rückwärts fahren können.
  3. Die Funktion der Ankerspulen wird wieder mit dem Ohmmeter geprüft. Zwischen den drei Kontakten X, Y und Z des Kommutators sollte jeweils Widerstand von ca. 11 Ohm gemessen werden. Unterscheiden sich die drei Werte deutlich, so wird die Lok merklich ruckeln beim Fahren. Sofern für mindestens einen der drei Widerstände kein Wert ermittelt werden kann, ist die entsprechende Ankerspule defekt, die Lok kann dann gar nicht mehr fahren!

Abhilfe: Meist bleibt nur ein neuer Rotor.

Empfehlung Ersetze den dreipoligen Rotor durch den passenden fünfpoligen Rotor aus den Umrüstsets für den "Hochleistungsmotor". Diese haben stets einen Trommelkollektor, wodurch das zweite Problem gleich mitgelöst wird.

Lauter Motor

Kreischende Motorengeräusche weisen nicht auf einen elektrischen Defekt hin, es mangelt dann vielmehr an einem winzigen Tropfen Öl an beiden Seiten der Ankerwelle!