Lawinen-Galerie

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Schutz vor Schneerutsch und Steinschlag:
Die Lawinen-Galerie

Die Lawinen-Galerie ist ein Kunstbauwerk, das die Strecke und die darauf verkehrenden Züge vor Steinschlag und Schneerutschungen bewahren soll.

Der umsichtige Eisenbahnpionier war nicht nur darauf bedacht, die Trasse möglichst kostengünstig durch die Berge zu führen, er musste auch die Fähigkeit haben, "seine Berge zu lesen". So wusste der erfahrene Bahnbau-Ingenieur, wo winters die Schneebretter liegen und welchen Weg ins Tal sie vorzugsweise nehmen würden. Den selben Pfaden folgen auch Geröll und Schlammrutsche (Muren). Man konnte natürlich auch die Einheimischen fragen, die wussten es immer genau. War es nun unumgänglich, die Trasse an solch einer gefährdeten Stelle entlang zu führen, musste bauseits für die nötige Sicherheit gesorgt werden.

Dazu musste immer bedacht werden, dass gerade die Einschnitte und Anschnitte, die der Trassenbau erfordert, den Naturgewalten wieder neue Wege öffnen, und zwar direktenwegs auf die Geleise. In mittleren Lagen mag es immer noch genügt haben einige Fangwehre am Abhang über der Trasse zu errichten: Reste von Schienenstücken, immer paarweise in den Boden gerammt, dazwischen einige übriggebliebene Schwellen aufstapeln. Das mag gegen kleinere Steinschläge völlig ausreichend sein und auch den einen oder anderen Baum aufhalten, der altersschwach zu Tal stürzt. Aber im Hochgebirge herrschen andere Gesetze.

Massive Überdeckung, die Galerie ist sozusagen als offener Tunnel ausgeführt

Insbesondere ein Tunnel, der an beiden Enden verschüttet würde, womöglich ein Zug voller Reisender darin, dürfte eines der Schreckgespenster früher Bahnbaumeister gewesen sein. Sieht man also eine solche Tunneleinfahrt als gefährdet an, wird eine Lawinen-Galerie vorgebaut. Die Ausführung richtet sich je nach der zu erwartenden Schneemenge. Eine relativ leichte Konstruktion aus Holz und Stahl mag in manchem Fall vollauf genügen, zumal, wenn das Dach geneigt ist und den Schnee weiter abrutschen lasst. Im oberen Bild ist eine solche Bauart gezeigt. Beachte: Auch das Tunnelportal eine Ebene tiefer hat eine geneigte Fläche obenauf.

Je nach Topographie kann die Galerie auch anders ausfallen. Im unteren Bild ist ein Beispiel gezeigt, wo die Tunnel direkt in überkragenden Felsen getrieben wurde. Offenbar war der Fels seitlich nicht mächtig genug, um die Tunnelwandung zu bilden, sogar der Trassenunterbau musste stellenweise mit Mauerwerk aufgefüttert werden. Man stützte den Überhang mit wuchtigen Pfeilern und ließ die Zwischenräume offen. So bietet sich verschütteten Passagieren noch ein Ausweg ans Licht, an die Luft.

Nachbildung im Modell

Ebenso wichtig wie die modellbauerische Gestaltung ist m. E. die Wahl eines glaubhaften Standortes. Wie oben geschildert, muss man die Notwendigkeit dieses Lawinenschutzes förmlich spüren können. Ein bewaldeter Hang oberhalb der Strecke würde den Schnee nicht als Lawine herabkommen lassen. Ein Einschnitt im Gebirge, ein Pass, wömöglich bereits mit losem Geröll besät, macht da schon mehr Angst. Und wenn unterhalb der Galerie sich bereits eine Geröllhalde angesammelt hat, vielleicht der eine oder andere Stein auf der Eindeckung liegen blieb - umso eindrucksvoller wird das Bauwerk am Ende dastehen, so dass man nicht jedem Besucher einen Vortrag halten muss.

Je nach gewünschter Ausführung finden wir die Materialien in der "Restekiste" und decken sie mit einige Streifen zurechgechnittenen Furniers. Oder wir greifen auf ein Fertigprodukt zurück, das z. B. in geschäumten Polystyrol zu bekommen ist. Auch eine sog. "Arkadenmauer", also eine Mauer mit "blinden" Bögen darin, lässt sich mit etwas Geschick und einem (sehr!) scharfen Messer in eine Lawinen-Galerie umgestalten. Der Purist bevorzugt natürlich den Eigenbau nach individuellem Maß. Dazu empfehle ich Styrodur-Hartschaumplatten. Die Vorgehensweise ist, vom Zuschnitt abgesehen, identisch mit dem Bau einer Stützmauer und dort detailliert beschrieben.

Auch die zusätzliche Ausrüstung mit Fangwehren wie oben beschrieben, soll keineswegs den Mittelgebirglern vorbehalten sein. Als "flankierende Maßnahme", etwa an den nicht so schroffen Hängen, sind die Konstruktionen aus Schienen und Schwellen nicht nur Stein-, sondern auch Blickfang.


Dieser Artikel wurde begonnen von Micha. Nachträgliche Änderungen und Ergänzungen sind in der Liste der Autoren (Versionen) nachvollziehbar. Eventuelle Erfahrungen im Nachbau dürfen gerne angefügt werden. Antworten auf Fragen dazu gibt es auf der zugehörigen Diskussionsseite.
Beide Fotos wurden im Miniatur Wunderland im Schweiz-Abschnitt aufgenommen.