Segelschiff

Aus Modellbau-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dreimastschoner Mare Frisium unter Segeln
Segelschulschiff Deutschland

Ein Segelschiff ist ein Schiff, das ganz oder vornehmlich aufgrund seiner Segel durch die Kraft des Windes bewegt wird. Segelschiffe waren seit dem Altertum bis zum 19. Jahrhundert die wichtigsten Verkehrsmittel für den Transport von Gütern und Personen über längere Distanzen. Sie wurden seit dem 19. Jahrhundert durch Dampfschiffe und Motorschiffe abgelöst. Bis in das 19. Jahrhundert hinein waren auch die meisten Kriegsschiffe Segelschiffe. Kleinere Segelschiffe (unter in etwa sieben Metern Länge) werden als Segelboote bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Aufbau und Klassifizierung

Segelschiffe haben mindestens einen Mast und mindestens ein Segel und als Gegenstück im Wasser einen Kiel. Man unterscheidet zwei Arten von Segeln:

  • Rahsegel, die an einer Rahe hängen und quer zur Fahrtrichtung orientiert sind,
  • Schratsegel, die in Richtung der Schiffslängsachse gesetzt werden. Zu den letztern gehören auch:
    • Hochsegel oder Bermudasegel dreieckiges Segel, das hinter oder am Mast gefahren wird und dessen untere Kante von einem Baum aufgespannt wird.
    • Gaffelsegel, die trapezförmig sind und an einer Gaffel (oben) gefahren werden. Meistens wird auch ein Baum (unten) zur Segelführung genutzt.
    • Lateinersegel, dreieckige Segel, deren Rahe vornehmlich längs zur Fahrtrichtung ausgerichtet ist, schräg am Mast hängt und sich mit einem Teil vor dem Mast befindet.
    • Luggersegel, die zwischen Gaffelsegel und Lateinersegel anzuordnen sind.
    • Sprietsegel, viereckige Segel, die mit einer Stange (Spriet) von der vorderen unteren Ecke am Mast zur hinteren oberen Ecke aufgespannt werden. Diese Segel werden meist ohne Baum gefahren.
    • Krebsscherensegel
    • Spreizgaffelsegel
    • Stagsegel

Antrieb

Den Vortrieb erhält ein Segelboot (auf der Kreuz) wie ein Flugzeugflügel (vgl. Segeln und Aerodynamik) durch das resultierende Kräftegleichgewicht, das sich aus der Windkraft auf die Segel und der Kraft auf Schwert / Kiel ergibt. Auf diese Weise kann ein Segelschiff auch bis zu einem gewissen Grad gegen den Wind fahren.

Fährt es in Windrichtung (vor dem Wind), schiebt der Wind einfach dadurch, dass er in das Segel drückt. Für den Fall einer Flaute und zum Manövrieren haben größere Schiffe einen Motor („Flautenschieber“).

Experimentiert wurde auch mit Flettner-Rotoren, maschinell angetriebenen senkrecht stehenden Zylindern, mit deren Hilfe die Windenergie teilweise für den Schiffsantrieb genutzt werden kann; dies sind im eigentlichen Sinne keine Segelschiffe.

Historische Entwicklung

Historische Entwicklung des Segelschiffes

Die Entwicklung der Segelschiffe begann vermutlich in Ägypten. Segelboote sind das erste Fortbewegungsmittel im Wasser. Vornehmlich für die Fahrt auf dem Nil, aber auch für Fahrten über das Mittelmeer und das Rote Meer wurden Schiffe mit einem Mast und einem großen Rahsegel eingesetzt. Das Segel war bereits drehbar gelagert, so dass die Schiffe auch bei seitlichem Wind segeln konnten.

Die Phönizier und Griechen entwickelten ab ca. 1000 v. Chr. zwei Grundtypen von seegängigen Segelschiffen:

  • Lastschiffe mit geräumigem Rumpf und einem Mast sowie einem großen Rahsegel, das ausschließlich gesegelt wurde, und
  • Galeeren, die für die Marschfahrt einen Mast mit einem mittelgroßen Rahsegel hatte, während des Kampfes und bei Flaute aber mit Riemen gerudert wurde.

Insbesondere mit den Lastschiffen wurden bereits weite Reisen durchgeführt. So segelte der Karthager Hanno um 600 v. Chr. entlang der Westküste Afrikas bis zum Äquator. Der Grieche Pytheas aus Massilia, dem heutigen Marseille, umsegelte die britischen Inseln und kam vermutlich auch nach Helgoland. Die Römer nahmen diese Schiffstypen auf und entwickelten sie weiter. Die Lastschiffe erhielten einen Bugspriet, an dem ebenfalls ein Rahsegel hing.

In Mittel- und Nordeuropa wurden Langschiffe entwickelt, die zunächst gerudert wurden. Bereits die Sachsen und Angeln, die als Angelsachsen gegen Ende des römischen Reiches über die Nordsee nach England auswanderten, hatten die Langschiffe mit einem Mast und einem Rahsegel besegelt.

Die Wikinger entwickelten diesen Schiffstyp zur Perfektion weiter (Wikingerlangschiff). Nach zeitgenössischen Berichten waren die schlanken Wikingerschiffe schneller als ein berittener Bote. So konnten die Wikinger bei ihren Überfällen im frühen Mittelalter das Überraschungsmoment nutzen. Sie fuhren bereits über das offene Meer nach Island, Grönland und Nordamerika.

Nach dem Ende der Wikingerzeit wurde im Norden aus den breiteren offenen Handelsschiffen die Hansekogge entwickelt. Auch sie hatte nur einen Mast, bildete aber das Rückgrat des Fernhandels der Hanse. Gegen Ende des Mittelalters wurden auch zwei- und dreimastige Schiffe gebaut, z. B. die Hulk. Aus ihnen wurde in Spanien und Portugal die Karavelle entwickelt, mit der Christoph Kolumbus, Ferdinand Magellan und Vasco da Gama ihre Entdeckungsreisen unternahmen.

Seit dem 17. Jahrhundert verwendete man immer spezialisiertere Formen, u. a.

  • Linienschiffe (als Kriegsschiffe mit mehreren Kanonendecks),
  • Fregatten (leichter armierte Schiffe von erhöhter Schnelligkeit)

In China erreichte der Segelschiffbau schon im 15. Jahrhundert unter Admiral Zheng He ein sehr hohes Niveau. Damals wurden in Nanking so genannte Schatzschiffe von über 120 Meter Länge und 50 Meter Breite gebaut, die bis zu neun Masten hatten. Sie wurden für Fernfahrten z. B. nach Indien, Arabien und Afrika eingesetzt. Diese Schiffe waren hinsichtlich der Größe nur mit den Großseglern Europas und Amerikas im 19. Jahrhundert vergleichbar.

Moderne Antriebe erlauben die Handhabung riesiger einteiliger Segel, mehrere Rümpfe erlauben ein stärkeres aufrichtendes Moment.

Der Leichtbau ermöglicht immer größere Gleitboote und höhere Masten. Beim Tragflächenboot übernehmen die Tragflächen die Funktion des Kiels und der Rümpfe. Kite-Surfing verhindert das Drehmoment vollständig.

Segelschiffstypen

  • Bark
  • Brigantine
  • Brigg
  • Schoner
  • Galeasse, Dreimaster mit Lateinersegeln und Riemen
  • Galeere (Segelbenutzung i.d.R. nur für die Marschfahrt, nicht im Gefecht)
  • Galeone
  • Gulet
  • Hansekogge
  • Holk
  • Karacke
  • Karavelle
  • Klipper
  • Kraweel
  • Lädine
  • Pinasse
  • Linienschiff
  • Vollschiff
  • Windjammer
  • Ewer
  • Dau
  • Dschunke
  • Pinisi
  • Zeesenboot

Weblinks

  • Tallship-Fan – deutschsprachige Datenbank mit vielen modernen und traditionellen Segelschiffen.
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Segelschiff aus der freien Enzyklopädie Wikipedia, teilweise können Textpassagen übernommen worden sein. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
Bitte fügt detaillierte Infos zu den Vorbildern entsprechend in der Wikipedia hinzu, so dass wir uns hier auf die Modellbauaspekte konzentrieren können.