Zinkpest

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Zinkpest, besser Zinkfraß, ist ein Korrosionsprozess, der zinkhaltige Bauteile heimsuchen kann.

Befallener Radsatz aus den 1940er Jahren

Bei den betroffenen Bauteilen bilden sich sowohl oberflächliche Aufblühungen und Blasen, als auch Veränderungen im Inneren des Materials. Diese inneren Veränderungen führen dann zu Veränderungen von Maßen und dann zu Spannungsrissen im Material. Da sich die betroffene Teile dabei ausdehnen, also größer werden, können oft auch angebaute Bauteile, die an sich in Ordnung sind, mit beschädigt werden.

Mit zunehmendem Fortschreiten kann das betreffende Teil vollständig zerstört werden. Es zerbröselt geradezu. Massnahmen dagegen gibt es nicht.

Das Phänomen gilt als unaufhaltbar und kann innerhalb weniger Jahre, aber auch Jahrzehnte, entstehen. Der Anlauf kann nicht vorhergesagt werden. Temperaturschwankungen unter ca. 14 Grad Celsius und hohe Luftfeuchtigkeit sollen den Zerfall beschleunigen.

Betroffen sind primär Zinkdruckguss-Bauteile aus den 1940er und 1950er Jahren, die in Europa in der Kriegs- und Nachkriegszeit aus minderwertigem Material entstanden.

Ebenso betroffen sind aber auch heute noch verschiedentlich kostengünstig hergestellte Bauteile aus dem Fernen Osten, bei denen der Materialreinheit und dem Spritzgussprozess zu wenig Beachtung geschenkt wurde. Bei einzelnen, relativ kurzlebigen, Produkten wird die Zinkpest während der ordentlichen Lebensdauer nicht wahrgenommen.

Schon in den 60er Jahre wurde in Europa und Japan durch verbesserte Ausgangsmaterialien und genauere Einhaltung der Materialmischungen sowie genau definierte Druckguss-Prozesse das Problem weitgehend zum Verschwinden gebracht. Teile aus dieser Zeit und danach gelten als unanfällig.

Die nach der Jahrtausendwende vereinzelt auftretenden Fälle von Zinkpest bei europäischen Modelleisenbahn-Marken wie beispielsweise Klein Modellbahn, Märklin, Trix und Brawa sind auf Auftragsarbeiten fernöstlicher Zulieferer wie z. B. Kader oder wiederum dessen Zulieferer zurückzuführen.

Beispielfotos

Bei den gezeigten Waggonunterseiten sind die Radsätze in verschiedenen Stadien des Befalls zu sehen. Links sind die Räder bereits so brüchig, dass jeden Moment mit dem Auseinanderbrechen gerechnet werden muss. Rechts haben sich nur kaum sichtbare, radiale Risse gebildet. Auch dadurch kann sich bereits das Rad von der Achse lösen oder zu taumeln beginnen.

Verschieden stark ausgeprägte Zinkpest

Ein Beispiel für die völlige Zerstörung einer Lok stellt diese T800 von Märklin dar. Das Gehäuse ist (noch) mehr oder weniger ein Stück, vom ehemals rot lackierten Rahmen sind nur noch Brösel übrig.

T800-Gehäuse im Endstadium
T800-Gehäuse im Gegenlicht

Bei der Pufferbohle führt die Materialausdehnung dazu, dass die ursprünglich fest eingepressten Puffer einfach herausfallen.

Reste der T800-Pufferbohle

Ähnliche Schadensursachen

Zinkpest führt unweigerlich zum Wertverlust eines Gegenstandes, ohne dass wir etwas dagegen tun können. Genauso ist es jedoch auch bei einzelnen Kunststoff-Bauteilen aus der Anfangszeit des Kunststoffspritzgusses, beispielweise bei Eheim-Trolleybussen, bei denen Weichmacher im Verlaufe der Zeit zu unwiderruflichen Schäden führen können. Während Verformungen bei heutigen Kunststoffteilen oder das Erblinden von transparenten Kunststoffteilen heute praktisch unbekannt ist, können hingegen Schäden drch auslaufende Kondensatoren, Batterien, typischerweise vergessenen Batterien, beispielsweise bei Billerbahn oder LEGO, sowie wiederaufladbare Batterien wie Akkumulatoren auch heute noch zu irreparablen Schäden führen, wenn sie nicht rechtzeitig entdeckt werden.

Der Vorgang ist nicht zu verwechseln mit der Zinnpest.

Weblinks

Zinkpest in der deutschsprachigen Wikipedia