MOC – My own Creation

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Ein MOC (kurz für My Own Creation, deutsch etwa „meine eigene Kreation“) ist ein selbst entworfenes Modell aus Klemmbausteinen.

Im Gegensatz zu einem nach Bauanleitung errichteten Set wird ein MOC vom Erbauer selbst geplant und konstruiert. Dabei können sowohl vorhandene als auch selbst entwickelte Bautechniken verwendet werden. Als Teilequelle können neue oder gebrauchte Steine verschiedener Hersteller dienen.

MOCs reichen von kleinen Fahrzeugen oder Gebäuden bis zu sehr großen Architekturmodellen, Eisenbahnanlagen, Landschaften und Dioramen mit mehreren hunderttausend oder sogar Millionen von Bauteilen.

Inhaltsverzeichnis

Abgrenzung zum MOD

Ein MOC ist von einem MOD (Modification, Modifikation) zu unterscheiden.

Bei einem MOD bildet ein bereits bestehendes Set oder Modell die Grundlage. Dieses wird verändert, erweitert oder verbessert. Bei einem MOC entsteht die Konstruktion dagegen im Wesentlichen nach einem eigenen Entwurf.

Die Grenze kann bei umfangreichen Umbauten fließend sein.

Merkmal MOC MOD
Bedeutung My Own Creation Modification / Modifikation
Ausgangspunkt eigener Entwurf vorhandenes Set oder Modell
Konstruktion überwiegend selbst entwickelt vorhandene Konstruktion wird verändert
Bauanleitung nicht erforderlich, kann selbst erstellt werden vorhandene Anleitung dient häufig als Ausgangspunkt
Teileauswahl frei nach Anforderungen des Modells vorhandene Teile werden häufig weiterverwendet
Ziel Entwicklung eines eigenen Modells Veränderung oder Verbesserung eines vorhandenen Modells

Eine feste Grenze zwischen MOC und MOD existiert nicht. Wird ein vorhandenes Set so umfangreich umgebaut, dass von der ursprünglichen Konstruktion kaum noch etwas erhalten ist, kann das Ergebnis auch als MOC betrachtet werden.

Planung

Vor dem Bau eines größeren MOCs sollte festgelegt werden, welche Anforderungen das fertige Modell erfüllen soll.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Abmessungen
  • Maßstab
  • gewünschter Detaillierungsgrad
  • Farben
  • verfügbare Bauteile
  • Stabilität
  • Transportierbarkeit
  • Funktionen und bewegliche Elemente
  • Beleuchtung
  • Motorisierung
  • vorgesehener Standort

Bei Modellen realer Vorbilder sollten außerdem geeignete Unterlagen wie Fotos, Zeichnungen, Pläne oder Abmessungen beschafft werden.

Insbesondere bei großen Modellen ist eine frühzeitige Festlegung des Maßstabs hilfreich. Dadurch können wichtige Abmessungen des Vorbilds auf das Modell übertragen werden.

Digitaler Entwurf

MOCs können direkt mit realen Klemmbausteinen oder zunächst am Computer konstruiert werden.

Ein digitaler Entwurf bietet insbesondere bei größeren Modellen Vorteile. Bauteile können ausprobiert werden, ohne dass sie bereits physisch vorhanden sein müssen. Außerdem lassen sich Farben und Konstruktionen relativ einfach verändern.

Aus einem digitalen Modell können zudem Teilelisten und gegebenenfalls Bauanleitungen erstellt werden.

Bei der digitalen Planung sollte darauf geachtet werden, dass nicht jede theoretisch mögliche Kombination aus Bauteil und Farbe tatsächlich produziert wird.

Eine Konstruktion kann deshalb digital möglich sein, obwohl einzelne benötigte Bauteile in der gewählten Farbe nicht erhältlich sind.

Prototypen

Komplexe Bereiche eines MOCs sollten vor dem endgültigen Bau probeweise aufgebaut werden.

Dies betrifft insbesondere:

  • tragende Konstruktionen
  • ungewöhnliche Bautechniken
  • bewegliche Teile
  • Fahrwerke
  • Getriebe
  • große freitragende Bereiche
  • Gelenke
  • Übergänge zwischen unterschiedlichen Bauwinkeln

Ein digital funktionierender Entwurf muss nicht zwangsläufig auch mit realen Steinen funktionieren. Klemmkraft, Gewicht, Reibung und Verformung der Bauteile werden in digitalen Konstruktionsprogrammen nur eingeschränkt berücksichtigt.

Bautechniken

Für MOCs können grundsätzlich alle zulässigen Klemmbaustein-Bautechniken verwendet werden.

Neben dem klassischen Stapeln von Steinen werden häufig Techniken eingesetzt, bei denen die Noppen in unterschiedliche Richtungen zeigen.

Eine bekannte Technik ist SNOT (Studs Not On Top). Dabei werden Bauteile seitlich oder in anderen Winkeln befestigt, um glatte Flächen oder besondere Formen zu erzeugen.

Weitere Möglichkeiten sind:

  • seitliches Bauen
  • Bauen über Kopf
  • Versetzen um halbe Noppen
  • Befestigung mit Clips und Bars
  • Scharnierkonstruktionen
  • Technic-Verbindungen
  • flexible Elemente
  • Kombination unterschiedlicher Baurichtungen

Bei ungewöhnlichen Bautechniken sollte darauf geachtet werden, dass Bauteile nicht dauerhaft unter unzulässige mechanische Spannung gesetzt werden.

Stabilität

Bei größeren MOCs spielt die Stabilität eine wesentlich größere Rolle als bei kleinen Modellen.

Lange Wände, große Bodenplatten oder freitragende Konstruktionen können sich durch das Eigengewicht verformen.

Große Flächen sollten deshalb möglichst aus miteinander verzahnten kleineren Elementen aufgebaut werden.

Zu lange Plates übereinander können sich aufbiegen. Statt mehrere sehr große Platten direkt übereinander zu bauen, kann die Verwendung mehrerer kleinerer Platten sinnvoll sein. Auch bewusst freigelassene Noppen zwischen bestimmten Plattenverbindungen können Spannungen reduzieren.

Bei sehr großen Modellen kann außerdem eine innere Tragstruktur erforderlich sein.

Modularer Aufbau

Große MOCs sollten möglichst modular konstruiert werden.

Ein großes Gebäude kann beispielsweise in:

  • Grundplatte
  • einzelne Stockwerke
  • Dach
  • Fassadenteile
  • Innenmodule

zerlegt werden.

Ein modularer Aufbau erleichtert:

  • Transport
  • Reparaturen
  • Änderungen
  • Lagerung
  • Zugang zu Technik und Beleuchtung
  • Erweiterungen

Bei Ausstellungsmodellen sollte bereits während der Planung berücksichtigt werden, wie das Modell durch Türen, Treppenhäuser oder in ein Transportfahrzeug gebracht werden kann.

Farben

Die Auswahl der Farben beeinflusst sowohl die Wirkung als auch die technische Realisierbarkeit eines MOCs.

Nicht jedes Bauteil ist in jeder Farbe erhältlich. Deshalb kann die gewünschte Farbgebung die Auswahl möglicher Konstruktionen einschränken.

Eine Übersicht wichtiger Farbbezeichnungen findet sich unter LEGO-Farben.

Bei der Kombination von Steinen unterschiedlicher Hersteller können trotz ähnlich benannter Farben sichtbare Farbabweichungen auftreten.

Für Landschaften, Felsen, Mauern und andere natürliche Oberflächen können unterschiedliche Farbtöne dagegen bewusst eingesetzt werden, um eine gleichförmige Wirkung zu vermeiden.

Steine unterschiedlicher Hersteller

Ein MOC muss nicht ausschließlich aus Steinen eines Herstellers bestehen.

Lego-kompatible Klemmbausteine verschiedener Hersteller können grundsätzlich miteinander kombiniert werden. Dadurch steht eine größere Auswahl an Bauteilen und Farben zur Verfügung.

Je nach Hersteller können sich jedoch Unterschiede ergeben bei:

  • Klemmkraft
  • Farbe
  • Oberflächenglanz
  • Maßhaltigkeit
  • Transparenz
  • Qualität von Drucken

Bei technischen Konstruktionen können geringe Maßabweichungen stärker auffallen als bei normalen Noppensteinen.

Bezugsquellen für Einzelsteine

Eine günstige Bezugsquelle für Klemmbausteine kann das sogenannte Ausparten gebrauchter Sets sein. Dabei werden komplette Sets gekauft und in ihre Einzelteile sortiert.

Gebrauchte Sets können beispielsweise über Online-Marktplätze, Flohmärkte oder Kleinanzeigen erworben werden.

Für gezielt benötigte Einzelteile gibt es verschiedene Bezugsquellen.

Lego

GoBricks

Qunlong

Siehe auch Qunlong.

Steine unterschiedlicher Hersteller

Bei verschiedenen Händlern können Einzelsteine unterschiedlicher Hersteller bezogen werden.

Vor größeren Bestellungen empfiehlt es sich, insbesondere Farben und Klemmkraft zunächst mit einer kleineren Stückzahl zu testen.

Teilebedarf

Der tatsächliche Teilebedarf größerer MOCs wird häufig unterschätzt.

Neben den sichtbaren Steinen werden zahlreiche Bauteile für die innere Konstruktion benötigt. Bei Gebäuden, Schiffen oder Landschaften kann ein erheblicher Anteil der Teile später von außen nicht sichtbar sein.

Bei der Planung sollte deshalb zwischen:

  • sichtbaren Bauteilen
  • konstruktiven Bauteilen
  • Reserve für Änderungen und Fehlplanungen

unterschieden werden.

Bei sehr großen MOCs kann eine strukturierte Teileliste sinnvoll sein.

Kosten

Die Kosten eines MOCs hängen nicht nur von der Anzahl der verwendeten Steine ab.

Entscheidend sind unter anderem:

  • Seltenheit bestimmter Bauteile
  • gewünschte Farben
  • Neu- oder Gebrauchtteile
  • Hersteller
  • Anzahl unterschiedlicher Bauteile
  • Versandkosten verschiedener Händler

Ein seltenes Bauteil in einer bestimmten Farbe kann wesentlich teurer sein als zahlreiche gewöhnliche Steine.

Bei großen Modellen kann es daher sinnvoll sein, eine Konstruktion so anzupassen, dass gut verfügbare Bauteile eingesetzt werden können.

Sortierung und Lagerung

Mit zunehmender Größe eines MOCs wird eine systematische Lagerung der Bauteile wichtiger.

Mögliche Sortierkriterien sind:

  • Bauteilart
  • Größe
  • Farbe
  • Hersteller
  • Funktion

Welche Sortierung sinnvoll ist, hängt von der Größe der Sammlung ab.

Bei kleinen Sammlungen kann eine Sortierung nach Farbe ausreichend sein. Bei großen Teilebeständen ist eine Sortierung nach Bauteilart meist praktischer, da ein bestimmtes Element dadurch schneller gefunden werden kann.

Bauabschnitte

Große MOCs sollten in Bauabschnitte unterteilt werden.

Ein sinnvoller Ablauf kann beispielsweise sein:

  1. Vorbild und Anforderungen festlegen.
  2. Maßstab bestimmen.
  3. wichtige Abmessungen berechnen.
  4. Grundkonstruktion entwickeln.
  5. kritische Bereiche als Prototyp bauen.
  6. benötigte Bauteile ermitteln.
  7. Bauteile beschaffen.
  8. Module bauen.
  9. Module verbinden.
  10. Details ergänzen.
  11. Stabilität und Funktionen prüfen.

Dieser Ablauf muss nicht strikt eingehalten werden. Bei eigenen Konstruktionen sind wiederholte Änderungen und Neubauten einzelner Bereiche normal.

Dokumentation

Bei umfangreichen MOCs ist eine Dokumentation sinnvoll.

Dazu können gehören:

  • Fotos verschiedener Bauzustände
  • digitale Modelle
  • Teilelisten
  • Skizzen
  • Maßtabellen
  • Bauanleitungen
  • Versionsstände

Dies erleichtert spätere Reparaturen und Änderungen.

Soll das Modell nach einer Ausstellung zerlegt werden, ermöglicht eine gute Dokumentation außerdem einen späteren Wiederaufbau.

Transport

Bei großen Ausstellungsmodellen sollte der Transport bereits während der Konstruktion berücksichtigt werden.

Ein Modell, das am Bauort problemlos zusammengesetzt werden kann, muss gegebenenfalls später durch Türen und Treppenhäuser transportiert oder in einem Fahrzeug untergebracht werden.

Deshalb sollten große MOCs in ausreichend kleine und stabile Module zerlegbar sein.

Empfindliche Details können als separat transportierbare Teile ausgeführt und erst am Ausstellungsort montiert werden.

MOC als Bauanleitung

Der Begriff MOC bezeichnet zunächst die eigene Konstruktion selbst.

In der Klemmbaustein-Community wird der Begriff jedoch teilweise auch für Bauanleitungen eigener Modelle verwendet. Ein Konstrukteur kann beispielsweise eine Anleitung und Teileliste seines MOCs veröffentlichen oder verkaufen.

Wer ein Modell nach einer solchen Anleitung baut, baut streng genommen nicht selbst einen MOC, sondern den MOC eines anderen Konstrukteurs nach.

Wird dieser Entwurf anschließend verändert, handelt es sich um einen MOD des ursprünglichen MOCs.

Siehe auch