Mikromodell (Schiffe)

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Die Arctic Corsair von Revell eignet sich mit 130 Gramm Zuladung hervorragend zum Ausbau mit RC

Moderne immer kleinere und leistungsfähigere Technik macht in jüngster Zeit kleine und kleinste Schiffsmodelle möglich, genannt Mikromodelle, die schon in einem kleinen Biotop fahren können und auf größeren Teichen das Gefühl vom großen weiten Meer aufkommen lassen.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Vor allem Plastikbausätze von Schiffen werden häufig zu ferngesteuerten Mikromodellen umgebaut. Das geht im Allgemeinen relativ problemlos. Es gibt aber auch Modelle, die zu klein und zu schwer sind, um mit Fernsteuerung ausgerüstet noch schwimmfähig zu sein, Schiffe mit hohen und schweren Aufbauten (z. B. Gewässerschutzschiff Neuwerk (Cuxhaven)) können zu kopflastig sein, um aufrecht zu schwimmen. Kleine (leichtere) Selbstbaurümpfe können z. B. aus dünnem ABS tiefgezogen werden.

Vor- und Nachteile von Mikromodellen aus Plastikbausätzen

Vorteile

  • günstig zu bekommen
  • sehr große Auswahl
  • meist sehr gute Vorbildtreue und Detailierung
  • einfach und platzsparend zu lagern

Nachteile

  • ruhige Hand zum Bauen notwendig
  • unrealistisches Wellenbild
  • schlecht seetauglich (Abdichtungsproblem)
  • kleinere Auswahl an Elektronik und Zubehör

Beispiele

Technische und physikalische Voraussetzungen

Masse

Bei Schiffsmodellen ist vor allem die Masse das Wesentliche, ein Schiff das tiefer im Wasser liegt als das Vorbild, wirkt unproportioniert. Außerdem wird das Freibord noch kleiner als es bedingt durch die Schiffsgröße ohnehin schon ist. Den gleichen Eindruck erweckt auch ein zu leichtes Modell.

Um das anzustrebende Gesamtgewicht zu berechnen, findet sich eine einfache Formel unter Maßstab und weitere Informationen unter Verdrängung.

Akkumulatoren

Je leichter die Akkutechnologie desto leichter kann man bauen, bzw desto mehr Akkukapazität kann man einbauen, das ist wichtig für eine ausreichende Fahrzeit des Modells.

Die leichteste bzw. leistungsstärkste Technologie mit Abstand Lithium-Polymer ist gleichzeitig auch die teuerste, außerdem benötigt man spezielle Ladegeräte.

Motoren

Elektromotoren im Größenvergleich
  • Kleinstmotoren mit Stator (Kollektor) und Draht/Blechbürsten
  • Motoren mit Stator (Kollektor) und gefederten Kohlen
  • Brushless Motoren ohne Stator (Kollektor)
  • Schrittmotoren
  • Glockenankermotoren

Die Kleinstmotoren mit Blechbürsten sind mit Abstand die günstigsten (z. B 17 g, 3 V für ca. 2,50 €), sind aber in der Belastung stark begrenzt (max ca. 2 A), sie werden aber häufig in ultraleichten Fertigmodellen eingesetzt.

Weiterer Nachteil ist die begrenzte Lebensdauer auch bei mäßiger Belastung. Bei starker Belastung halten sie nur wenige Stunden. Es gibt auch sehr hochwertige Motoren mit fein aufgefächerten Bürsten und Entstörung im Motor ab Werk, diese kosten aber leicht das fünffache.

Länger halten natürlich Motoren mit Kohlen, diese sind deutlich teurer und nicht unter einer bestimmten Grö0e erhältlich.

Extrem belastbar und langlebig sind Brushless-Motoren. Diese brauchen aber einen eigenen Regler, der das Drehfeld erzeugt und haben einen entsprechenden Preis. Die kleinsten haben derzeit ein Gewicht von 8 Gramm. Es besteht die Möglichkeit, den Motor eines optischen Laufwerkes mit viel Aufwand (neu wickeln, neu lagern) zu einem billigen kleinen Brushlessmotor umzubauen.

Fernsteuerung

Es gibt Empfänger bis zu 2 Gramm leicht, Servos bis zu 2,8 Gramm und Fahrtregler mit bis zu 0,5 Gramm, dabei gibt es starke Einschränkungen in der Belastbarkeit. Durch die naturgemäß kleineren Hebelwirkungen ist das aber in den meisten Fällen kein Problem. Ein Motor mit 0,5 Gramm Masse braucht z. B nie die 0,5 A, die ein Motoregler von 0,5 Gramm bereitstellen kann, dann wären die mikroskopisch kleinen Blechbürsten längst verglüht.

Physikalische Grenzprobleme

Mikromodell mit 29 cm Länge in Gleitfahrt

Die Medien Luft und Wasser, in denen Modelle bewegt werden, ändern ihre Dichte nicht durch den Maßstab. Deshalb schäumt das Wasser nicht maßstabsgerecht wie beim Original. Um ein ähnliches Wellenbild zu erreichen muß ein Schiff schneller fahren als es einer maßstäblich verkürzten Strecke entsprechen würde.

Ein Schiff im Maßstab 1:87, das an Hafenanlagen vorbeifährt, wird bei maßstäblicher Geschwindigkeit nach Froude zehnfach zu schnell wirken. Nach Froude dürfte es, wenn das Vorbild 20 km/h fuhr, immerhin noch 2 km/h fahren. Wenn man aber die 20 km, die das Original in einer Stunde zurücklegen würde, durch 87 teilt, erhält man eine ganz andere Geschwindigkeit: 20 km durch 87 ergeben gut 0,2 km, also dürfte das Modell nur 0,2 km/h fahren.

Das macht bei Verdrängerschiffen wie Frachtern nicht viel aus, bei Gleitbooten umso mehr: Ein Gleitboot dürfte nur ein Zehntel so schnell im Verhältnis zur Landschaft fahren, wie es bräuchte, um überhaupt ins Gleiten zu kommen, das geht niemals. Gleitboote in maßstäblicher Umgebung, wie zum Beispiel dem Skandinavienteil im Miniatur-Wunderland, werden wohl Utopie bleiben, es würde im Gleiten aussehen wie ein Schiff, das mit 400 Stundenkilometern durch die Fjorde unterwegs ist.

Das Flächen-/Gewichtsverhältnis verschiebt sich ebenfalls beim Verkleinern des Maßstabes. Das führt bei Schiffsmodellen dazu, dass die Ruderfläche üblicherweise vergrößert werden muss und das Volumen bzw. die Masse des Modells schneller kleiner wird, als die zu erstellende Rumpffläche.

Weblinks